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Langzeitbelichtung: Arbeit und Erfahrung in der Dresdner Kamera-Industrie der Transformationsjahre 1980 bis 2000

Die Technischen Sammlungen Dresden (TSD) führen seit dem Sommer 2022 in Zusammenarbeit mit dem Hannah-Ahrendt-Institut für Totalitarismusforschung Dresden (HAIT) filmische Interviews mit ehemaligen Mitarbeiter:innen der Foto- und Kinoindustrie Dresdens durch.

Das Projekt wird durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen gefördert.

Mehr als 30 Jahre nach Schließung der international bedeutenden und weltweit bekannten Foto- und Kinoindustrie im Jahr 1990 soll das vielfältige und persönliche Wissen von Zeitzeug:innen in filmischen Interviews erfasst und zugänglich gemacht werden. Die lebensgeschichtlichen Interviews werden durch die TSD organisatorisch und inhaltlich vorbereitet und durch das HAIT konzeptionell und methodologisch sowie praktisch unterstützt.

Unser Anliegen ist es, biographische Gespräche mit verschiedenen AkteurInnen aus den verschiedenen Bereichen und Hierarchie-Ebenen des ehemaligen Unternehmens aufzuzeichnen. Begleitet durch HistorikerInnen des HAIT sollen wichtige Aspekte der Transformationsforschung (Unternehmensabwicklung, Arbeitslosigkeit, Identitätskrisen) und auch die Genderthematik besonders berücksichtigt werden, da die bisherige Überlieferung nahezu ausschließlich männlich dominiert war. Es geht uns darum, die Gegensätze zwischen dem individuellen Erfolgserleben bei den Versuchen des technologischen Anschlusses an die neuesten Entwicklungen in der Fototechnik in den 1980er Jahren und den zunehmend als desaströs empfundenen Arbeitsbedingungen herauszuarbeiten. Es handelt sich um lebensgeschichtliche Interviews – d. h., die Teilnehmenden bestimmen weitestgehend selbst die Inhalte und den Ablauf und berichten aus ihrem Leben.

Die als dramatische biografische Ereignisse empfundenen Umbrüche, die Schließung der Dresdner Foto- und Kinoindustrie 1990, die schwierigen und manchmal erfolglosen Versuche einer Neuorientierung, die Transformationsprozesse bis spät in die 1990er Jahre stehen ebenfalls im Fokus. Die wissenschaftliche und praktische Begleitung durch das HAIT, die Umsetzung der lebensgeschichtlichen Erzählungen in eine ästhetisch gelungene und auch emotional packende filmische Form sollen den Weg für weitere Nutzungen bereiten.

Im kommenden Jahr 2023 planen die Technischen Sammlungen Dresden anlässlich des Jubiläums der Einweihung des Ernemann-Turms am 31. Mai 1923 verschiedene Aktivitäten und möchten bei einer Ausstellung auch die ZeitzeugInnen-Interviews mit einbeziehen.

Nachdem in den vergangenen Jahren nur sporadisch Gespräche mit ehemaligen Mitarbeiter:innen des Unternehmens geführt und aufgezeichnet werden konnten, drängt zudem die Zeit nach der corona-bedingten Unterbrechung vieler persönlicher Verbindungen. Nach einem ersten Aufruf im Haus (Oma war auch bei Pentacon …) wurden auf verschiedenen Wegen Kontakte hergestellt, Gespräche geführt – und wurden erste Filmaufnahmen gemacht.

In einem weiteren Schritt möchten wir uns an die allgemeine Öffentlichkeit wenden: Die Technischen Sammlungen laden zu Erzählcafés in den Ernemannturm an der Schandauer Straße ein. In Anwesenheit auch von InterviewpartnerInnen werden erste Ergebnisse ausschnitthaft vorgestellt . Die Projektgruppe möchte auch mit weiteren ZeitzeugInnen ins Gespräch kommen, ihr Anliegen erläutern und zur Teilnahme einladen.