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Movies & Stories

Die Publikumslieblinge aus 20 Jahren Museumskino

Liebe Besucherinnen und Besucher,
in den vergangenen 20 Jahren haben wir im Museumskino 400 Filme gezeigt – hier finden Sie eine Auswahl von 50 Filmen.

In den vergangenen Wochen konnten Sie darüber abstimmen, welche Streifen Sie noch einmal bei uns sehen möchten. Die Auswahl geben wir in Kürze bekannt!

Panzerkreuzer Potemkin

Sowjetunion, 1925, 75 min, s/w
Regie: Sergej Eisenstein
Darsteller: Alexander Antonow, Wladimir Barski, Grigori Alexandrow


Eisensteins berühmter Film, hergestellt zum 2o. Jahrestag der Meuterei auf dem zaristischen Kriegsschiff vor dem Hafen von Odessa. Gegliedert in klassischer Tragödienstruktur, führt der Film in fünf Akten das tragische Schicksal der Besatzung vor. Eine bis dato unbekannte Rhythmik und Dynamik des Schnitts machen diesen Revolutionsfilm zu einem außerordentlich nachhaltigen Werk, das Herrscher und Beherrschte polemisch kontrastiert und den Zuschauer über die Emotion zu politischen Erkenntnissen führen will. So ist dieser Film nicht nur filmhistorisch interessant, sondern auch als Lehrstück für filmische Agitation.

Ninotchka

USA, 1939, 110 min, s/w, ab 6
Regie: Ernst Lubitsch
Darsteller: Greta Garbo, Melvyn Douglas, Sig Ruman, Alexander Granach


Ein abgebrühter adeliger Lebemann in Paris verliebt sich in eine politische Kommissarin aus der noch jungen Sowjetunion, die nach vielen Widerständen seinem Charme, seiner Kultiviertheit und dem Luxus des Westens erliegt. Sie kehrt zwar in ihre sozialistische Heimat zurück, aber schließlich kommt es doch noch zum Happy-End. Klassische Hollywood-Komödie mit hervorragenden Darstellern, inszeniert mit hintergründigem Witz nach einem brillant geschriebenen Drehbuch. Unter Lubitschs Regie spielte Greta Garbo ihre einzige wirklich gelungene komische Rolle.

 

Romanze in Moll

Deutschland, 1943
Regie: Helmut Käutner
Dersteller: Marianne Hoppe, Paul Dahlke, Ferdinand Marian

Madeleine hat einen kleinen nüchternen Bankbeamten geheiratet. Sie liebt ihn nicht, fühlt sich ihm aber verpflichtet. Als sie den Dirigenten Michael kennenlernt, erliegt sie dessen blendendem Charme. Von Michaels Freund Victor erpresst, wählt sie schließlich den Freitod. Eine kostbare Perlenkette verrät ihrem Mann ihre heimliche Liebe. Er zerbricht daran. Käutners nostalgische Rückerinnerung an eine verlorene Zeit war während ihrer Entstehung ein Rückzug ins Private, eine Absage an die obligate „Volksgemeinschaft" des offiziell erwünschten Films. Formal orientierte sich Käutner in diesem glänzend gemachten Film an Carne und dem französischen Poetischen Realismus der dreißiger Jahre.

Wir Wunderkinder

BRD, 1958
Regie: Kurt Hoffmann
Darsteller: Hansjörg Felmy, Robert Graf, Johanna v. Koczian, Wera Frydtberg


Schon zur Kaiserzeit erweist sich der Junge Bruno Tiches als anpassungsfähig. Während sein Klassenkamerad Hans Boeckel dabei erwischt wird, als er heimlich in den Festballon zur Jahrhundertfeier zur Völkerschlacht bei Leipzig steigt und auch seiner Strafe nicht entkommt, gelingt es Bruno heimlich mitzufliegen. Auch später hat Bruno in geschäftlichen Dingen das scheinbar glücklichere Händchen. Der forsche Tiches mutiert nach dem Zweiten Weltkrieg problemlos zum erfolgreichen Wirtschaftswunderrepräsentanten. Sein anständiger, aber von Mißerfolgen gebeutelter Jugendfreund Hans kann erst nach dem Krieg seinen Beruf als Journalist wieder aufnehmen. letzt aber bringt er die Karriere Tiches an die Öffentlichkeit. Unterhaltsame Satire und Gesellschaftskritik.

Tabu

USA 1931, 81 Min., s/w
Regie: Friedrich Wilhelm Murnau, Robert J. Flaherty


Eine Liebesgeschichte um Reri und Matahi, für die es auf der Heimatinsel Bora-Bora in der Südsee keine gemeinsame Zukunft geben kann. Ein Priester der Nachbarinsel fordert Reri als den Göttern geweihte Jungfrau ein. Sie ist fortan tabu. Wer sie begehrt oder berührt, ist dem Tode geweiht. Mit einem phänomenalen Gefühl für Licht und Schatten inszenierte Murnau Tragödie von außerordentlicher Schönheit. Die Premiere von „Tabu“ hat Murnau nicht mehr erlebt.

Der geteilte Himmel

DDR, 1964, 110 Min., s/w
Regie: Konrad Wolf
Darsteller: Renate Blume, Eberhard Esche, Hans Hardt-Hardtloff, Hilmar Thate


Die liebe zwischen der Lehramtsstudentin Rita und dem Chemiker Manfred endet unglücklich, weil Manfred die DDR verlässt und Rita ihm - trotz offener Grenze - nicht folgen kann und will. Ebenso wie ihre Heimat Deutschland und der Himmel ist auch Rita geteilt: zwischen der Liebe zu Manfred und dem Verständnis für den Sozialismus. Rita entscheidet sich für die Rückkehr in den Osten. Sie weiß, dass ihr Platz an der Seite ihrer Kollegen und Freunde des Lehrerinstituts ist. Christa Wolfs Roman wurde in der DDR der sechziger Jahren scharf angegriffen. Man warf der Schriftstellerin vor, einen falschen Standpunkt in der nationalen Frage zu haben, denn sie beschreibe die Teilung Deutschlands und nicht das Wiedererstehen des "westdeutschen Imperialismus” als ein nationales Unglück. “Der geteilte Himmel” ist ein Film, der zum Nachdenken anregt und in der DDR aufgrund der politischen Stellungnahme für große Kontroversen sorgte.

Spur der Steine

DDR, 1966, 139 Min., s/w
Regie: Frank Beyer
Darsteller: Manfred Krug, Krystyna Stypulkowska,
Eberhard Esche, Johannes Wieke


Hannes Balla ist der ungekrönte König der Baustelle, hinter ihm steht die ganze Brigade. Was die Bauleitung vermasselt, rückt Balla auf seine anarchistische Weise wieder gerade. Unterstützt wird er dabei von der Ingenieurin Kati, die sich gegen die männlichen Kollegen durchsetzen muss, und dem Parteisekretär Werner, der sich - obwohl er verheiratet ist - in Kati verliebt.

Ein Film über Machtmissbrauch und Überforderung der Funktionäre, Prüderie und Verlogenheit der Partei und die Ellenbogenmentalität der Karrieretypen; aber auch ein Film über Idealismus, Opferbereitschaft und persönliche Schwächen der kleinen Leute.

Im Mai 1966 zunächst zugelassen, wurde der Film einen Monat später abgesetzt und verboten. Grund dafür waren die angebliche Abwertung der Parteifunktionäre sowie die Wiedergabe eines verzerrten Bildes der "sozialistischen Wirklichkeit”. Erst nach der Wende kam “Spur der Steine” wieder in die Kinos - mit großem Publikumserfolg.

Die verlorene Ehre der Katharina Blum

BRD, 1975, 102 Min Regie: Volker Schlöndorff, Margarethe von Trotta
Darsteller: Angela Winkler, Mario Adorf, Heinz Bennent, Dieter Laser


Katharina Blum, eine 27-jährige Frau, die seit ihrer Scheidung zurückgezogen lebt, verbringt eine Nacht mit einem Unbekannten. Sie ahnt nicht, dass es sich um einen von der Polizei gesuchten vermeintlichen Terroristen handelt. Sie gerät ins Visier der polizeilichen Ermittlungen und der Skandalpresse. In die Enge getrieben, und ihres guten Rufs und ihrer Ehre beraubt, setzt sie sich gewaltsam zur Wehr.
Ein packender, äußerst kritischer Polit-Thriller über die RAF-Hysterie der 70er Jahre, nach einer Erzählung von Nobelpreisträger Heinrich Böll. Die Hauptdarstellerin Angela Winkler und Kameramann lost Vacano wurden mit Bundesfilmpreisen ausgezeichnet.

Der Dritte

DDR 1971, 111 Min
Regie: Egon Günther Darsteller: Jutta Hoffmann, Barbara Dittus, Armin Mueller-Stahl


Margit Fließer ist Mitte Dreißig, sympathisch, aber allein. Mit zwei Männern hat sie ihr Glück versucht. Tragisch und komisch zugleich spiegelt sich dieses Leben, dem nun eine neue Wende gegeben werden soll. Der Dritte nämlich wird nach eingehender Prüfung von ihr selbst erwählt und als Vater ihrer beiden Kinder auserkoren. Egon Günther inszenierte diesen in einem überlegen-heiteren Ton gehaltenen Film über die Emanzipation der Frau mit all ihren psychischen, moralischen, konventionellen und sozialen Problemen. Regisseur und Hauptdarstellerin erhielten Nationalpreise für diesen Film, der auf den Filmfestspielen in Karlovy Vary 1972 mit dem Hauptpreis ausgezeichnet wurde. Darüber hinaus bekam Jutta Hoffmann in Venedig 1972 einen Darstellerpreis.

Große Freiheit Nr. 7

Deutschland 1943/44, 95 min,
R: Helmut Käutner, D: Hans Albers, Ilse Werner, Hans Söhnker


Hannes lebt als Sänger im Hippodrom auf St. Pauli. Nach dem Tod seines Bruders nimmt er dessen Verlobte bei sich auf und träumt von einem bürgerlichen Glück. Als daraus nichts wird, nimmt er Abschied und geht wieder auf See. “Große Freiheit Nr. 7" war einer der ersten deutschen Farbfilme und somit ein Prestige-Objekt. Propagandaminister Goebbels musste sein Einverständnis geben, da die für die Produktion notwendigen Rohstoffe auf der Liste der kriegswichtigen Güter standen.
Herausgekommen ist einer der anspruchsvollsten Filme der NS-Zeit, der nicht mehr in das Konzept der Nationalsozialisten passte - eine melancholische Ballade um einen gebrochenen Helden. Zu sehen bekamen die Deutschen den Film erst, als die Alliierten die Kinos wieder öffneten. Goebbels hatte ihn für Deutschland nicht freigegeben -
aufgrund seiner melancholischen Grundstimmung. Der Film spiegelt die Auflösung der Moral und den Zerfall der bürgerlichen Werte wieder. Vor der bunten Fassade des Amüsierbetriebes legt Regisseur Käutner eine kollektive Stimmungslage bloß. Die Große Freiheit wird zum symbolischen Ort. Mit ihm verbindet sich die Sehnsucht nach dem kurzen rauschhaften Glück und die schmerzliche Erfahrung, dass es nicht festzuhalten ist: "Beim ersten Mal da tut’s noch weh...”

 

Die Blechtrommel

BRD/Frankreich 1978, 137 Min -
Regie: Volker Schlöndorff Darsteller: David Bennent, Mario Adorf, Angela Winkler, Daniel Olbrychski


An seinem dritten Geburtstag bekommt Oskar Matzerath, ein extrem frühreifer Junge, die erste jener weiß-roten Blechtrommeln, denen er sein Leben lang treu bleiben wird. Gleichzeitig stellt er sein Wachstum ein, entwickelt sich allerdings männlich weiter. Oskar besitzt zudem die einmalige Gabe des Glas-Zersingens. Der Diamant seiner Stimme ist wie die Ich-süchtige Spitze seines Wesens, das sich der Welt der Erwachsenen widersetzt. Blechtrommelnd begegnet er der Unbill seiner eigenen Existenz. Ausgezeichnet mit dem Oscar für den besten ausländischen Film wurde Schlöndorffs Romanverfilmung über ein Stück deutsche Zeitgeschichte zum Kennzeichen für die Anerkennung des neuen deutschen Films.

Der Regisseur über seinen Film: “Die Verfilmung der Blechtrommel ist eine sehr deutsche Freske, Weltgeschichte von unten gesehen und erlebt: riesige, spektakuläre Bilder, zusammengehalten von dem winzigen Oskar, eine Ausgeburt des Zwanzigsten Jahrhunderts hat man ihn genannt. Harter Realismus einerseits, irreal andererseits. Phantasie als Teil der Wirklichkeit, Oskars Wirklichkeit, ein realistisches Märchen."

Insel der Schwäne

DDR 1981/82, 89 Min, R: Hermann Zschoche,
D: Axel Bunke, Mathias Müller, Sven Martinek, Britt Baumann


Der vierzehnjährige Stefan kommt aus einem beschaulichen Dorf in das Neubaugebiet Berlin-Marzahn, wo sein Vater als Bauarbeiter tätig ist. Er lernt den ängstlichen Hubert kennen und stößt auf „Windjacke“, der hinter seiner Jovialität gegenüber Erwachsenen seine schikanöse „Politik der Stärke und Erpressung“ Jüngeren gegenüber versteckt. Und er gerät zwischen zwei Mädchen, für die der „Kampf um den Jungen“ eine Frage des Sozialprestiges ist. Stefan kommt in eine Klasse, in der das Miteinanderlernen ein merkwürdiges Routine-Ritual zwischen Schülern und Lehrerin geworden ist. Alles scheint flüchtiger, hektischer, lebloser zu sein, als es Stefan in seiner früheren dörflichen Umgebung gewohnt war.
Regisseur Hermann Zschoche sah sich mit seinem Jugendfilm über das Lebensgefühl in Satellitenstädten starker Kritik von oben ausgesetzt. Bevor der Film eine staatliche Abnahme bekam, musste ihn der Regisseur mehrfach ändern. Es ist ein Film über die Jugend, mit realistisch genauen Beobachtungen aus ihrer Lebensphäre, mit einem Grundton ihrer Aufsässigkeit und mit ihrem Blick auf die Erwachsenen. Ein ungeschminktes Bild Ost-Berliner Wirklichkeit.

Der Reigen

Deutschland 1920, Stummfilm mit Klavierbegleitung
Regie: Richard Oswald
Darsteller; Asta Nielsen, Conrad Veidt, Eduard von Winterstein
Live-Musik: Matthias Hirth am Klavier


Literarische Anregung für den Film war das gleichnamige bekannte Werk des österreichischen Dichters Arthur Schnitzler. Es erzählt ein übliches bürgerliches Frauenschicksal: eine verstoßene Tochter wandert im „Reigen“ von einem Mann zum anderen. Das Bürgermädchen Elena erweckt die Begierde der Männer, findet aber selbst nie die wahre Liebe: Zuerst wird sie vom Klavierlehrer verführt und dann aus dem Haus der Eltern verstoßen. Dann gerät sie in die Hände eines mit dem Klavierlehrer befreundeten Musikers: Peter Karvan, der zuerst ihr Liebhaber und dann ihr Zuhälter wird. Sie kann sich allerdings losreißen und erhält eine Stellung als Erzieherin. Sie wird zur Liebhaberin ihres Arbeitgebers, und als dessen Frau stirbt, seine Gattin. Aber Karvan spürt sie auf und erpresst sie. Elenas Mann wirft beide hinaus, und schließlich verdienen sie ihren Lebensunterhalt in einem Tingeltangel. Dann erschießt Elena Karvan und nimmt sich selbst das Leben.

„Was den Film aus der Fülle der Neuerscheinungen heraushebit, ist die unter Oswalds meisterlicher Regie zur vollen Auswirkung kommende Darstellung. Er gibt Asta Nielsen Gelegenheit, von neuem zu glänzen, holt aus Conrad Veidt beißenden Witz heraus, und lässt Winterstein eine Schablonenrolle zur Menschlichkeit steigern. Photographie und Ausstattung waren ebenso vortrefflich.’ (‚Der Film“, Nr. 10/1920)

Cinema Paradiso

Italien/Frankreich 1989, 125 Min
Regie: Giuseppe Tornatore '
Darsteller: Philippe Noiret, Jacques Perrin, Salvatore Cascio, Marco Leonardi, Agnese Nano '


Ein Filmregisseur kehrt in das Dorf seiner Kindheit zurück, um den Tod des Filmvorführers Alfredo zu betrauern, der ihm ein guter Freund war. Er erinnert sich an die Zeit mit dem Alten, dem er im Kino zur Hand ging und der in ihm die Liebe zum Film weckte. Das alte Kino wird abgerissen. Aber Alfredo hat ihm eine Filmrolle mit Filmschnipseln hinterlassen: lauter Filmküsse, die Alfredo auf Geheiß des Dorfpfarrers herausschneiden musste.
Der Film ist eine wunderschöne Liebeserklärung an das Kino und auch ein trauriger Abgesang auf eine für immer verlorene Zeit, als es noch kein Fernsehen gab. „Ein nostalgisch gefärbter Film, der die Geschichte des Kinos als Erlebnishort und Hort der Träume ebenso erzählt wie die fragmentarische Geschichte Siziliens. Er knüpft an die Idee des Kinos als ‘Kunst der Emotionen’ an und entwickelt in dieser Beziehung eine faszinierende Kraft.‘ (Lexikon des internationalen Films)

„Cinema Paradiso" gewann 1990 den Oscar als „Bester fremdsprachiger Film“. Philippe Noiret bekam für seine Darstellung des Alfredo den Europäischen Filmpreis.

Lotte in Weimar

nach dem gleichnamigen Roman von Thomas Mann, DDR 1975, 124 Min
Regie: Egon Günther
Darsteller: Lilli Palmer, Rolf Ludwig, Jutta Hoffmann, Katharina Thalbach, Martin Hellberg u. a.


Im September 1816 kommt die Hofrätin Charlotte Kestner, geborene Buff; nach Weimar, einen Vorwand nutzend, um nach 44 Jahren ihre Jugendliebe wiederzusehen - Goethe, der sie durch "Die Leiden des jungen Werthers" unsterblich gemacht hat. Die literarisch verehrte Geliebte kann nicht inkognito bleiben und so wird Lotte von Goethes Entourage heimgesucht. Adele Schopenhauer, Ottilie von Pogwisch, sogar August von Goethe erhoffen sich von der intimen Goethekennerin Rat, Unterstützung und ein gutes Wort. Was Lotte auf diesem Wege über den Dichter erfährt, lässt sie nicht nur innerlich den Kopf schütteln. Die letzte Klärung, nicht ohne Wehmut und mit viel Altersweisheit, erhält Lotte in einem Dialog mit dem Dichter - Phantasie oder tatsächlich - in dessen Kutsche. Zu
bereuen und verzeihen gibt es nichts, Einsichten aber sind erwachsen aus dem Geflecht von Vergangenheit, Dichtung und Gegenwart.
„Lotte in Weimar“, überzeugend besetzt mit der sehr bewusst spielenden Lilli Palmer, war die erste und einzige DEFA-Produktion nach einem Werk Thomas Manns. „Günther setzt souverän die feine, liebevolle Ironie und Altersweisheit des Romanciers um in die Charakterisierungskunst seiner vorzüglichen Schauspieler und erlaubt sich und dem Zuschauer noch den genussvollen direkten Draufblick auf Weimar und deutsche Atelierwelt ewiger Bürgerlichkeit und Klassikattitüde. Ein Film von beneidenswert undeutscher Leichtigkeit, Selbstironie und gleichzeitigem Selbstbewusstsein. (Klaus Wischnewski in „Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg“


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Der weiße Dampfer

Nach der gleichnamigen Erzählung von Tschingis Aitmatow
UdSSR, 1974, 106 Min
Regie: Bolotbek Schamschijew
Darsteller: Nurgasy Sydygalijew, Orosbek Kutmanalijew u. a.


Ein siebenjähriger Junge wächst in einem Waldwinkel Kirgisiens bei seinem naturverbundenen Großvater auf, der ihn nach seinen Idealen erzieht. Als er erleben muss, wie der Alte dem bösen Waldhüter beim Töten einer Hirschkuh hilft, zerbricht in ihm der Glaube an dessen Unfehlbarkeit. Wenig anerkannt in seinem Heimatort und von den Eltern im Stich gelassen, flüchtet sich der Junge in die Mythenwelt eines längst vergangenen Kirgisiens. Eine poetische, feinfühlige Naturfabel von hohem moralischem Anspruch, eine adäquate Literaturverfilmung.
„Ich komme nicht wieder sagte er zu sich selbst.
Lieber ein Fisch sein, lieber ein Fisch sein...
Und niemand sah den Jungen aus dem Bett klettern und aus dem Haus gehen. ..

Das zweite Leben des Friedrich Wilhelm Georg Platow

DDR 1972/73
Regie: Siegfried Kühn
Darsteller: Fritz Marquardt, Gisela Hess, Volkmar Kleinert,
Rolf Hoppe, Dieter Franke u. a.
Beifilm: Vater und die Mathematik (Animationsfilm)


Im thematischen Plan des Babelsberger Studios 1973 wurde der Film mit den Worten angekündigt er zeige „Leben und Probleme eines zeitgenössischen Helden der Arbeiterklasse". Doch was so linientreu formuliert wurde, entpuppte sich als skurrile Clowneske, die einen Helden in den Mittelpunkt stellt, der ganz unheldisch seinen Job als Schrankenwärter betreibt und der, als er auf eine Nebenstrecke versetzt werden soll, es den allmächtigen Vorgesetzten zeigt und den Qualifizierungslehrgang antritt, den eigentlich sein Sohn absolvieren soll. Aus dieser listigen Konstellation resultiert eine Komik, der man sich auch heute noch nicht entziehen kann, die ihn formal strukturiert und der der Theaterregisseur Fritz Marquardt als Platow ein kauziges und unverwechselbares Profil verleiht. Von einigen wenigen Vorführungen abgesehen, fristete der Film, obwohl nie verboten, jedoch ein Regaldasein.

Auf der Sonnenseite

DDR 1962, R: Ralf Kirsten, 101 Min

D: Manfred Krug, Mario Böhme, Heinz Schubert, Gerd E. Schäfer u.a.

Manfred Krug, kurz Manne genannt, kannte jeder in der DDR. Er war ein Star im DEFA-Land und wurde auch einer in der Bundesrepublik. Wo Krug draufstand, war auch Krug drin. Vielleicht mochten ihn die Menschen deshalb so sehr. Denn Manfred Krug war sich selber treu - in seinen Rollen und im Leben. Schnoddrig war er, schlagfertig, furchtlos und mutig. Er konnte aber auch sehr zärtlich und feinfühlig sein. Ganz sicher war er ein fleißiger und begnadeter Schauspieler, der seine vielen Talente entwickelte und auch zeigen konnte. In unserer kleinen Filmreihe begeben wir uns in die Anfangszeit seiner Schauspielerkarriere, tauchen in eine DDR der 60er und 70er Jahre ein und lassen uns verzaubern von Krugs Charme, Draufgängertum und Abenteuerlust. In Memoriam Manfred Krug, der im Oktober 2016 verstarb und am 8. Februar 2017 seinen 80. Geburtstag gefeiert hätte.

Ein Arbeiter will Schauspieler werden. Da er aber ebenso aufmüpfig und selbstbewusst ist wie begabt, will man ihn in der Schauspielschule nicht. Auf der Baustelle begegnet er jener zauberhaften Frau wieder, die den Tunichtgut einst wegen seiner Aufdringlichkeit couragiert stehen ließ. Doch noch bevor er sich über den unerwarteten Tiefgang seiner Gefühle klar wird, wettet er, dass sie die Seine wird.
Ein hinreißender Manfred Krug, der alle Register seines schauspielerischen und musikalischen Könnens zieht. Eine charmante Komödie, die bis in die kleinste Rolle mit brillanten Schauspielern aufwartet und sehr genau das Zeitgefühl der jungen Leute trifft. Krug wird Kult. Und Krug singt.


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Zwei schräge Vögel

DDR 1989
Regie: Erwin Stranka
Darsteller: Götz Schubert, Matthias Wien, Simone Thomalla, Dieter Mann, Jaecki Schwarz


Frank und Kamminke, zwei forsche, junge Informatikstudenten, entwickeln ein innovatives Computerprogramm. Internationales Interesse wird bekundet, doch statt Karriere zu machen, platzen alle Zukunftspläne - nicht nur wegen der gemeinsamen Liebe zu einem Mädchen. Da die beiden sich den gängigen Gesellschaftsmustern einfach nicht anpassen wollen, werden sie in die Provinz verbannt — zur Bewährung. Doch zum Glück lernen die zwei schrägen Vögel dort ein neues Mädchen kennen. Petra bringt nicht nur das Herz der beiden zum Pochen, sondern verhilft ihnen zu ihrem großen Coup. Nachdem Frank und Kamminke von Petra mit den notwendigen geheimen Informationen ausgestattet sind, können sie ihr Computerprogramm testen und damit die millionenschwere, ruinöse Produktionsanlage vor dem Untergang bewahren. Nach der unvermeidbaren Rüge folgt der lang verdiente Ruhm.
Die kabarettistisch gefärbte Komödie voller Spitzen gegen den Schlendrian in der DDR-Wirtschaft war der letzte große Publikumserfolg der DEFA im heiteren Genre.

Die Regenschirme von Cherbourg

Frankreich/BRD 1963/64, 91 Min, Original mit deutschen Untertiteln, Musicalfilm
R: Jacques Demy
Frankreichs Antwort auf die Filmmusicals á la Hollywood.


Das Mädchen Genevieve verkauft Regenschirme in einer kleinen Boutique. Sie ist verliebt in Guy, einen Automechaniker, der in den Algerienkrieg ziehen muss. Genevieves Mutter möchte jedoch für ihre Tochter eine bessere Partie als einen einfachen Automonteur und so unterschlägt sie dessen Briefe. Stattdessen offeriert sie ihrer Tochter, die von Guy ein Kind erwartet, einen gestandenen Geschäftsmann ... Eine alltägliche Liebesgeschichte, melodramatisch aufbereitet, deren fast süßlicher Duktus jedoch mit einer außergewöhnlichen und stilsicheren Farbdramaturgie ausbalanciert wird. In der Hauptrolle eine junge und bezaubernde Catherine Deneuve. Bei den Freunden der deutschen Kinemathek konnten wir die wahrscheinlich einzige vorführbare Kopie mit deutschen Untertiteln ausfindig machen. Lassen Sie sich diese einmalige Vorführung nicht entgehen.

Hamlet

UdSSR 1964, 146 Min
Regie: Grigori Kosinzew
Musik: Dmitri Schostakowitsch
Darsteller: Innokenti Smoktunowski, Michail Naswanow, Elsa Radsin


Der plötzliche Tod des Vaters zwingt Prinz Hamlet zurück nach Dänemark auf das Schloss Helsingör. Im Inneren der Prunkhallen herrschen Intrigen und Machtstreben. Erste Zweifel an einem natürlichen Tod des Vaters überkommen Hamlet, als bei seiner Ankunft die Vermählung der Mutter mit des Königs Bruder gefeiert wird. Der Geist des Verstorbenen kann unter diesen Umständen keine Ruhe finden, und so entdeckt er dem Sohn den Ehebruch und den üblen Königsmord. Hamlet, rasend vom Gefühl der Rache, misstraut nun allen außer seinem Freund Horatio. Selbst seine zarte, schöne Ophelia vermag ihm keinen Beistand mehr zu leisten. Ophelia, die den Geliebten und schließlich auch durch dessen Hand den Vater verliert, verfällt dem Wahnsinn und setzt ihrem Leben ein Ende. Eins ums andere zieht der Bruder- und Gattenmord eine Spirale der Gewalt nach sich. Nach umfassenden literaturhistorischen Studien gelang Grigori Kosinzew eine im Hell-Dunkel-Kontrast gehaltene bildergewaltige Adaption. 1964 erhielt »Hamlet« den Sonderpreis auf den Internationalen Filmfestspielen in Venedig und den Preis des britischen Filminstituts im Shakespeare-Jahr 1964. Regisseur Grigori Kosinzew war seit den frühen 1920er Jahren vom Hamlet-Stoff fasziniert, ebenso wie der Komponist Dmitri Schostakowitsch. Nach einer filmischen Zusammenarbeit Ende der zwanziger Jahre führten sie rund dreißig Jahre später ihr gemeinsames Schaffen fort, das in den Shakespeare-Adaptionen „Hamlet“ (1964) und „König Lear“ (1970) seinen Höhepunkt fand.


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Eine Berliner Romanze

Wolfgang Kohlhaase zum 80. Geburtstag

DDR, 1956, s/w, 81 Min
R: Gerhard Klein
D: Wolfgang Kohlhaase
D: Annekathrin Bürger, Ulrich Thein, Uwe-Jens Pape, Erika Dunkelmann, Marga Legal


Die geteilte Stadt Berlin wird für das 16-jährige Lehrmädchen Uschi zur Versuchung. Die glitzernden Auslagen in West- Berlin reizen die angehende HO-Verkäuferin. Dort lernt sie einige Jungen kennen, von denen ihr vor allem der flotte „Lord” mit seinem Kofferradio imponiert. Den schüchternen Hans, der sich auf den ersten Blick in sie verliebt, beachtet sie erst später - aufgrund seiner Hartnäckigkeit. Langsam entwickelt sich zwischen ihnen eine zarte Liebe und nach einer Auseinandersetzung mit den Eltern geht sie zu ihm. Die Enttäuschung beiiihrer Ankunft ist groß, denn Hans ist arbeitslos und seine Bleibe mehr als dürftig ... Nach „Alarm im Zirkus" ist diese hinreißende Liebesgeschichte der zweite Berlin-Film des Gespanns Gerhard Klein und Wolfgang Kohlhaase. Für die junge Annekathrin Bürger war es ihr Debüt. Dabei spielte sie mit Ulrich Thein so perfekt das Liebespaar, dass es auch im wirklichen Leben funkte.

La Strada — das Lied der Straße

Italien 1954, 102Min, s/w
R: Frederico Fellini
D: Giulietta Masina, Anthony Quinn, Aldo Silvani


Fellinis preisgekrönter Film ist zu einem Klassiker der Filmkunst geworden. Im Mittelpunkt dieses klassischen Straßenfilms stehen der kraftstrotzende JahrmarktskünstlerZampano und dasnaiveLandmädchen Gelsomina. Gekauft von Zampano, muss sich Gelsomina seinem Willen unterordnen. Letztlich überlässt Zampano Gelsomina ihrem Schicksal, weil er jede menschliche Bindung als Last empfindet. Doch am Ende wird klar, dass auch der gewalttätige Zampano den Versuchungen der menschlichen Nähe erlegen ist.

M - Eine Stadt sucht einen Mörder

Deutschland 1931, 98 Min,
R: Fritz Lang, D: Peter Lorre, Gustaf Gründgens, Otto Wernicke


Fritz Langs Krimiklassiker mit Peter Lorre als psychopathischem Kindermörder, der mit seinen Verbrechen eine Stadt in Angst und Schrecken versetzt. Die Unterwelt fühlt sich durch die ständigen Polizeikontrollen gestört und bläst selbst zur Jagd auf den Mörder. Auf dem Dachboden eines Bürogebäudes spüren sie ihn auf und stellen ihn vor ein Tribunal. In letzter Sekunde kann die Polizei die Lynchjustiz verhindern.

Die Drei von der Tankstelle

Deutschland 1930, 94 Min,
R: Wilhelm Thiele, D: Felix Bressart, Comedian Harmonists, Kurt Gerron, Willy Fritsch, Heinz Rühmann


Die Freunde Willy, Kurt und Hans kehren von einer dreimonatigen Reise zurück. Zu Hause angekommen, müssen sie überrascht feststellen, dass sie pleite sind. Überall klebt der „Kuckuck“ im trauten Heim. Nur der Hund und das Auto sind ihr ganzes Eigentum. Vom Erlös des Wagens entsteht ihre neue Existenz: die Tankstelle „Zum Kuckuck“, die sie nun zu dritt betreiben. Eine ihrer besten Kundinnen ist die junge und reiche Lilian Coßmann, in die sie sich alle drei verlieben. Auch bei der jungen Dame hat es gefunkt, sie weiß nur nicht, für wen sie sich entscheiden soll. „Die Drei von der Tankstelle" ist einer der ersten erfolgreichen deutschen Tonfilme.

 

Karbid und Sauerampfer

DDR, R: Frank Beyer, 1963, 85 Min


Dresden im Sommer 1945. Der Arbeitsplatz ist dahin - weggebombt. Das ist wahrlich keine schöne Rückkehr für Karl „Kalle“ Blücher. Aber da der Bedarf an Zigaretten zu allen Zeiten immens ist, haben Kalles Kollegen für ihre Zigarettenfabrik schon einen Plan. Nur einer kommt als Retter in der Not in Frage. Kalle, seines Zeichens Nichtraucher und Vegetarier, ist der ideale Mann, um mit dem geringsten Aufwand Karbid zum Schweißen zu organisieren. Mit nichts anderem ausgestattet als dem Zahlungsmittel Zigaretten macht sich Kalle zu Fuß auf nach Wittenberge. Wirklich abenteuerlich wird es für ihn, als er mit sieben Fässern Karbid seinen Rückweg per Anhalter antritt. Ein Fass nach dem anderen wird ihm als Wegzoll abverlangt. Brilliante Filmkomödie mit erfrischend frechen politischen Untertönen über die Alltagsschwierigkeiten der Nachkriegszeit. Erwin Geschonneck in seiner Paraderolle und ebenso wunderbar: eine kecke blutjunge Marita Böhme.

Jadup und Boel

DDR, R: Rainer Simon, 1980/81, 104 Min


Die Verfilmung des 1980 in der DDR erschienenen Romans „Jadup" geriet zu einer poesievollen Satire auf kritikwürdige Zustände im Arbeiter- und Bauernstaat. Der Film wurde mehrmals verändert und schließlich doch nicht zugelassen. Nachdem Rainer Simon 1985 auf der Berlinale mit dem Goldenen Bären für seinen Film „Die Frau und der Fremde" internationales Ansehen gewonnen hatte undin den folgenden Jahren der Druck zu mehr Glasnost in der DDR zunahm, wurde „Jadup und Boel" 1988 endlich mit wenigen Kopien in den Studiokinos gestartet.

Der Rat der Götter

Deutschland, R: Kurt Maetzig, 1949/50 , 111 Min
D: Paul Bildt, Fritz Tillmann, Willy A. Kleinau


In dem innovativen Film, der geschickt Dokumentaraufnahmen in die Spielhandlung einbaut, rekonstruiert der DEFA-Mitbegründer Kurt Maetzig auf Grundlage von Akten aus den Nürnberger Prozessen die Beteiligung der deutschen Chemieindustrie an der NS-Rüstungswirtschaft: Im Mittelpunkt steht der Aufsichtsrat der IG Farben, der Hitler finanziell unterstützt. Nach der Machtübertragung nimmt die Produktion in den Chemiewerken aufgrund der Herstellung von Raketentreibstoffen, Sprengstoffen und Giftgasen sprunghaft zu. Der unbedarfte Chemiker Scholz wird zunehmend in diese
Machenschaften verstrickt und trägt mit seinen Forschungen zum Rüstungserfolg bei. Erst eine Explosionskatastrophe im Ludwigshafener Chemiewerk bringt den Mitläufer dazu, die trotz Verbots in der Nachkriegszeit fortgesetzte Sprengstoffherstellung öffentlich zu brandmarken.

Ideologisch bleibt der Film voll auf Linie: Der Rat der Götter wirkt stellenweise wie ein filmischer Kommentar zur offiziellen Lesart des Faschismus. Dementsprechend urteilte das Lexikon des internationalen Films: „Handwerklich beachtliches Polit-Drama der DEFA, das im Finale zu einer Apotheose der Friedensbewegung á la Moskau wird.“

Doktor Schiwago

Literaturverfilmung nach Boris Pasternak, USA 1965, 200 Min
R: David Lean, D: Omar Sharif, Geraldine Chaplin, Julie Christie, Rod Steiger


Die bewegte Lebensgeschichte des Arztes und Dichters Schiwago vor dem Hintergrund der Russischen Revolution. David Leans äußerst publikumswirksame Inszenierung schwelgt in monumentalen Stimmungsbildern und beeindruckt durch ihren langen Atem in der Abfolge Iyrischer und dramatischer Momente. Einer der größten Kassenerfolge der 60er Jahre, der wie kaum ein anderes Kino-Opus die gängigen Vorstellungen vom »alten Russland« prägte und verfestigte.

Aelita — der Flug zum Mars

nach dem Roman von Aleksej Tolstoij, 1924
Regie: Jakow Protasanow. Darsteller: Julija Solnzewa (Königin Aslita), Igor Iljinski (Krawzow), Nikolai Zereteli (Loss, Spiridinow), Nikolai Batalow (Gussew) u. a.,
111 Min., stumm, russische / deutsche UT


Eine Alltagsgeschichte zu Anfang der 1920er Jahre, gedreht im damaligen Moskau. Chaotische Verhältnisse: knappe Lebensmittel, Wohnraummangel, zwischenmenschliche Probleme. Inmitten dieser Not der ehemalige Frontsoldat Gussew und seine Liebste, die lange nicht zueinander kommen können. Denn Gussew bricht mit einem verträumten Ingenieur und einem Möchtegern-Detektiv zum Mars auf. Sie treffen auf eine völlig unbegreifliche Welt: bizarre Gebäude, schiefe Wände, seltsam gekleidete Lebewesen, riesige Treppen. Die expressionistischen Entwürfe gelten als frühe Zeugnisse von Science-Fiction im Film. Die Männer aus dem sowjetischen Alltag erleben Machtkämpfe auf dem fernen Planeten. Die exzentrische Königin Adlita sorgt für Verwirrung der Erdbewohner. Aus einer Befreiungsaktion der Marsbewohner entsteht ein flammender Aufstand. Der Glanz dieser Bilder überdeckte seither oft die Wirklichkeit der Filmstory. Der kühne philosophische Entwurf des Films aber vereinte die frühe Sowjetzeit mit faszinierenden Visionen, mit einer Utopie im Werden.

Kuhle Wampe oder Wem gehört die Welt?

Deutschland, 1931/32. R: Slatan Dudow, 68 Min

Darsteller: Hertha Thiele (Anni Bönike], Ernst Busch (Fritz), Martha Wolter (Gerda], Adolf Fischer (Kurt) u. a.


Der Film, der als klassisches Beispiel des proletarischen Kinos gilt, erzählt eine Liebesgeschichte unter Arbeitern und Arbeitslosen. Anni, die Verlobte des Autoschlossers Fritz, wird schwanger-unddamitkommensie,derMannunddiegesamte Familie in Schwierigkeiten. Die Familie muss ihre Wohnung verlassen und zieht in eine Zeltkolonie am Rande Berlins. Kurzzeitig trennen sich Anni und Fritz, treffen jedoch bei einem großen proletarischen Sportfest - und nun endgültig - wieder zusammen. Am Ende fahren alle in der überfüllten S-Bahn zurück in die Stadt, verwickeln sich in einen heftigen Streit über Auswege aus der allgemeinen KrisAuef .di e Frage, wer diese Welt ändern könne, antwortet Anni resolut: „Die, denen sie nicht gefällt.” Der Gesang des Solidaritätsliedes trägt diese Hoffnung weiter. Die Lieder des Films, gedichtet von Bertolt Brecht und komponiert von Hanns Eisler, gingen in den „goldenen Fonds” der deutschen Arbeiterbewegung ein und wirkten über den Film hinaus.

Wenn du groß bist, lieber Adam

DDR, 1965
Regie: Egon Günther
Darsteller: Stephan Jahnke, Gerry Wolff, Manfred Krug


Natürlich sind wir alle ehrlich und sagen immer die Wahrheit. Oder nicht?! Adam, neun Jahre alt, bekam von einem dankbaren Schwan eine Taschenlampe geschenkt. Wenn er deren Strahl auf einen Menschen richtet, der gerade dabei ist, nicht die Wahrheit zu sagen, erhebt selbiger sich in die Luft. Und wenn die Lüge zu groß ist - wird er zum Fixstern...

Vor 40 Jahren erdacht, geändert, gedreht, amputiert, verboten - 1990 rekonstruiert: Egon Günthers hintergründiges Filmmärchen für Große. Im Dresden der 1960er Jahre.

Die Kameliendame

R: George Cukor
USA 1936, 109 Min.
D: Great Garbo, Robert Tylor


Sie war und ist die „Diva assoluta" (it.) im Olymp der Leinwandschönheiten. Mit ihr nahm der Mythos seinen Anfang. „Diva" bedeutet „die Göttliche” - und so wird die Garbo bis heute genannt. Greta Lovisa Gustafsson wurde in Stockholm als Tochter eines Seemanns geboren. Sie arbeitete in einem Friseursalon, als Hutverkäuferin in einem Kaufhaus und als Mannequin für Werbefotos, bevor sie vom schwedischen Regisseur Mauritz Stiller für den Film entdeckt wurde. In dessen Verfilmung der „Gösta Berlings Saga" stand sie zum ersten Malals 18-Jährige - vor der Kamera. Ein Jahr später spielte sie neben Asta Nielsen in G. W. Pabsts „Die freudlose Gasse", 1925 folgte sie ihrem Mentor Stiller nach Hollywood und ließ sich von Metro Goldwyn Mayer unter Vertrag nehmen. Fortan drehte die Garbo mit großem Erfolg einen Film nach dem anderen: „Mata Hari“, „Menschen im Hotel", „Königin Christine“, „Anna Karenina“, „Ninotschka" und andere. Nach 1941, mit 36 Jahren, zog sich Greta Garbo für immer ins Privatleben zurück. Trotz mehrerer Angebote für ein Leinwand-Comeback verbrachte sie den Rest ihres Lebens jenseits der Öffentlichkeit. Als Kurtisane Marguerite Gautier in der Dumas-Verfilmung „Die Kameliendame" spielt sie mit faszinierender Intensität eine Frau, die bereit ist, für einen Neuanfang alles aufzugeben und die ihr Aufbegehren gegen die bürgerliche Ordnung mit dem Leben bezahlen muss.

Die große Illusion

Frankreich, 1937, 109 min, s/w
Regie: Jean Renoir
Darsteller: Erich von Stroheim, Jean Gabin, Pierre Fresney


In ein deutschen Kriegsgefangenenlager werden drei französische Gefangene eingeliefert, die einen Fluchtversuch unternommen hatten. Zwischen dem Kommandanten Rauffenstein und dem französischen Aristokraten de Boeldieu kommt es zu einer widersprüchlichen Beziehung, bis letzterer erneut einen Fluchtversuch unternimmt. Während seine beiden Kameraden entkommen können, wird de Boeldieu von dem deutschen Kommandanten erschossen. Der Film ist ein Klassiker des französischen Vorkriegskinos, der schon in seiner Produktionsphase großen Anfeindungen ausgesetzt war. Allen Vorwürfen, die von antideutsch bis prosemitisch reichten, zum Trotz, ist er ein filmisches Meisterwerk, das man immer wieder sehen kann und muss.

Frühlingssinfonie

BRD/DDR 1982, 103 Min
Regie: Peter Schamoni
Darsteller: Nastassja Kinski, Herbert Grönemeyer, Rolf Hoppe, Andre Heller, Bernhard Wicki, Gidon Kremer, Peter Schamoni


Nach drei Jahren der Juristerei steht es für den jungen Robert Schumann fest: Der Weg zur Kunst ist der einzig richtige. In Friedrich Wieck, dem in Leipzig ansässigen Inhaber eines Piano- und Musikaliengeschäfts, findet er einen ausgezeichneten Lehrer. Unter seiner rigiden Hand wächst auch die begabte Tochter Clara auf, die mit ihren 11 Jahren schon als Wunderkind am Klavier gilt. Während Clara auf ihren Konzertreisen einen Erfolg nach dem anderen feiert und für ihr virtuoses Klavierspiel in ganz Europa berühmt ist, lebt Schumann als brotloser Künstler. Als Vater Wieck von der Liebe zwischen den beiden erfährt, weiß er die Liaison seiner Tochter mit einem „Halbgenie und Viertelfaust“ zunächst zu verhindern... Das Drehbuch dieses poetischen Films basiert auf authentischen Quellen und hält sich streng an die historischen Gegebenheiten. Mit der hochkarätigen Besetzung von Herbert Grönemeyer, Rolf Hoppe und Nastassja Kinski vermag Regisseur Peter Schamoni dem heutigen Zuschauer das Leben, Denken und die Musik der Zeit der Romantik nahe zu bringen. Rolf Hoppe brilliert in der Rolle des ehrgeizigen, seine Tochter besessen hütenden Friedrich Wieck. Als Schamoni seinen Film 1982 an Originalschauplätzen realisierte, galt diese deutsch-deutsche Zusammenarbeit als eine „kleine Kulturrevolution“. Die „Frühlingssinfonie“ wurde mit dem Bundesfilmpreis in Gold und dem Bayerischen Filmpreis für die Regie ausgezeichnet.

Der Aufenthalt

DDR 1983, R: Frank Beyer, 95 Min
nach dem gleichnamigen Roman von Hermann Kant
D: Sylvester Groth, Fred Düren, Klaus Piontek


Warschau, Oktober 1945. Mitten aus einem Transport von Kriegsgefangenen wird der 19-jährige Mark Niebuhr herausgeholt und in Einzelhaft gebracht. Eine Polin glaubt in ihm den Mörder ihrer Tochter erkannt zu haben. Als Niebuhr in eine Gemeinschaftszelle kommt, erfährt er den Hass der polnischen Gefangenen. Doch die Hölle erlebt er, als er zu den deutschen Mithäftlingen verlegt wird.

Außer Atem

R: Jean-Luc Godard
Frankreich, 1959, 88 Min.
D: Jean-Paul Belmondo, Jean Seberg


Als Ende der 50er Jahre in Frankreich ein junges, aufregend neues Kino das Establishment aufschreckte, waren sie das Traumpaar dieser Nouvelle Vague: Jean-Paul Belmondo als verliebter Autodieb Michel, ein trotzig dreister Junge mit dicker Lippe und gebrochener Nase, der einen coolen Typen ä la Humphrey Bogart mimt, und an seiner Seite: Patricia, die amerikanische Studentin in Paris, gespielt von Jean Seberg. Der Film erzählt die Geschichte eines Kleinkriminellen in der Sprache des amerikanischen Genre-Kinos der 40er Jahre - Film-Noir wurde “ das dann später genannt. Die Story stammt von Francois Truffaut, Godards damaligem Freund und Kollegen bei der Cahiers du cinema. Und der Film war ein grandioser Erfolg - wegen Belmondo und wegen der Art, wie das Thema behandelt wurde. Es faszinierte weniger, was erzählt wurde, sondern wie es erzählt wurde. Godard brach mit allen Regeln des französischen „Qualitätskinos". Ein Drehbuch gab es nicht. Godard ließ improvisieren, stellte dramaturgische Muster auf den Kopf und ließ ab und an Belmondo zum Publikum sprechen: „Wenn sie das Meer nicht mögen, wenn sie die Berge nicht mögen, wenn sie die Stadt nicht mögen - dann können sie mich mal." Viele der Neuerungen, die der Film seinerzeit auf die Leinwand brachte, sind in der Zwischenzeit längst zum festen Bestandteil des kommerziellen Kinos geworden. Wenn Michel am Ende Grimassen schneidend auf der Straße liegt und dem Zuschauer seinen berühmten letzten Satz „Du bist wirklich zum Kotzen!“ zu Patricia haucht, dann mag er mit seinem Traum, das Kino auf das Leben zu übertragen, tödlich gescheitert sein. Die Unsterblichkeit einer Kino-Ikone dagegen war ihm sicher.

Die letzte Metro

Frankreich, 1980, 131 Min
R: Francois Truffaut
D: Catherine Deneuve, Gerard Depardieu, Heinz Bennent


Theater in Paris, 1942. Marion Steiner, Ehefrau des jüdischen Inhabers Lucas Steiner, hat die Leitung des Theaters ihres Mannes übernommen. Lucas hält sich im Keller des Theaters versteckt. Offiziell ist er aus der besetzten Zone geflohen. Durch ein Heizungsrohr verfolgt er die Proben des neuen Stückes „Die Verschollene“, welches das Theater wieder in Schwung bringen soll. Lucas’ einziges Bindeglied nach außen ist seine Frau Marion, die ihn abends nach den Proben im Keller besuchen kommt, für ihn kocht, und ihm Mut zuspricht. Im Kontrast zu dieser düsteren Kellerwelt tobt oben das bunte Theaterleben ... Zu der ohnehin schon schwierigen Lage kommt hinzu, dass Marion sich in den Hauptdarsteller des Stückes, Bernard Granger, verliebt, und dass sich der mit den Nazis kollaborierende Journalist Daxiat die Leitung des Theaters unter den Nagel reißen will. Mit Ironie und Spitzfindigkeit inszeniert Regisseur Francois Truffaut ein geniales Wechselspiel aus Theater und Wirklichkeit. Mit zehn Césars ausgezeichnet zählt „Die letzte Metro" zu Truffauts höchst dekorierten Filmen.

Mir nach Canaillen!

DDR, R: Ralf Kirsten, 1964,108 Min
D: Manfred Krug, Monika Woytowicz, Erika S. Klein, Fred Düren, Marion van de Kamp u.a.


Die dritte Zusammenarbeit von Regisseur Ralf Kirsten und dem durch ihn zum Star gewordenen Manfred Krug. Ein Mantel-und-Degen Film par excellence und ebenfalls ein großer Publikumserfolg, Über Manfred Krug schreibt die zeitgenössische Filmkritik: „Er ist ein nie wirklich ebenso tollkühner wie tolldreister Fürchtenichts, der alle Heldentaten treu und brav absolviert, ... aber er tut's mit einem Augenzwinkern und mit einer wegwerfenden Handbewegung: halb so wild, liebe Leute, alles nicht so ernst gemeint. Manfred Krug hat darin eine ganz moderne Lässigkeit.“ (Neue Zeit, 26.7.1964) Regisseur Ralf Kirsten hat in den historischen Rahmen in Preußen um 1730 viel hineingepackt: Prügeleien, Liebesränke, übers Ohr gehauene Fürsten, wilde Pferde, flotte Reden und einen Helden namens Krug, der zeigen konnte, dass er auch fechten und reiten kann.

Der Tangospieler

R: Roland Gräf
DDR 1990, 96 Min.
D: Michael Gwisdek, Corinna Harfouch, Hermann Beyer, Peter Sodann, Jaecki Schwarz u.a.


Der gleichnamige Roman von Christoph Hein diente als Vorlage für diesen Film, der nach dem Zusammenbruch der DDR gedreht wurde. Im Mittelpunkt steht ein Historiker, der Ende der 1960er Jahre wegen eines „staatsverleumderischen Kabarettprogramms" für 22 Monate in Haft geht. Aus der Haft entlassen, findet er nicht wirklich zurück ins alte Leben. „Der Tangospieler ist ein trauriger und komischer Film. Es ist traurig zuschauen zu müssen, wie ein Mensch dahin kommt, wieder richtig zu 'funktionieren’, es ist komisch, wie er sich dabei abzappelt, wie er Umwege macht, um am Ende doch wieder am vorbestimmten Platz anzulanden. Das Traurige und das Komische gehen die Ehe der Bitternis ein." (Fred Gehler, Film und Fernsehen 2/1991) Roland Gräf erhielt für dieses Werk den Bundesfilmpreis, sein Hauptdarsteller Michael Gwisdek den Preis als Bester Darsteller.

Die Mädchen vom Wilkohof

Polen, R: Andrzej Wajda, 1979, 111 Min
D: Zofia Jaroszewska, Tadeusz Bialoszcynski, Chrstine Pascal u.a.

 

Auf Anraten seines Arztes kehrt Wiktor RUben nach langen Jahren auf das Landgut seiner Tante und seines Onkesl zurück. Er hofft, dort nach dem Tod seines besten Freundes Trost zu finden. Hier verbrachte er eine unbeschwerte und geborgene Kindheit in inniger Freundschaft mit den sechs Schwestern vom Nachbargut Wilko. Doch das Glück vergangener Zeiten lässt sich nicht wieder zum Leben erwecken. Die Sehnsucht nach Liebe und der Schatten des Todes weben eine Athmosphäre  der unterdrückten Gesten und unausgespochenen Sätze.
Der Filme wurde 1980 für den Oscar in der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film" nominiert.

Fanny und Alexander

R: Ingmar Bergman
Schweden 1982, 188 Min.
D: Bertil Guve, Permilla Alwin, Börje Ahlstedt u.a.


Gleich in den ersten Einstellungen definiert der Regisseur seine Position und signalisiert, welche Idee er verfolgt: Man sieht einen Jungen, der ein Puppentheater betrachtet. Schicht um Schicht hebt der die bemalten Prospekte der Dekoration hoch, in gleicher Weise wie er fortan die Kulissen und Fassaden der Erwachsenenwelt durchdringen und durchschauen wird. Bergmans Abrechnung mit dem scheinbar Vergangenen, seine Erinnerung an glückliche und angstvolle Momente der Kindheit ist nicht weniger bitter und scharfsichtig als in früheren Werken, hat hier jedoch die Form eines prächtigen, sinnlichen und detailverliebten Schauspiels, das nicht zufällig im Theatermilieu angesiedelt ist. „Fanny und Alexander" wurde zu einer großen Abschiedsvorstellung, in der noch einmal viele Schauspielerinnen und Schauspieler auftraten, die zur Bergman-Truppe gehörten. Auch zahlreiche Motive und Stile sind nochmals miteinander zu einem filmischen Fresko verwoben: Verweise auf Strindberg und Shakespeare, Fellini und Buñuel und immer wieder auf Bergman selbst und seine alte Leidenschaft für metaphysische und religiöse Sinnfragen. Der Film wurde 1984 mit einem Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet.

Martha

DDR, R: Jürgen Böttcher, 1978, 56 Min.


Martha steht am Förderband und sortiert Schutt. Das macht sie bei Wind und Wetter, im Sommer und im Winter. Das Geräusch des laut scheppernden Förderbandes stört sie schon lange nicht mehr. Denn es ist ihre Arbeit seit 1945, wo sie als Trümmerfrau im zerstörten Berlin zu arbeiten begann. Jetzt heißt ihre Arbeitsstelle VEB Tiefbau. Doch es sind die letzten Arbeitstage auf der Rummelsburger Kippe, weil Martha nun 68 Jahre alt ist und in Rente geht. Sie freut sich darauf, daß sie bald mehr Zeit für ihre Kinder und Enkelkinder hat. Dem Regisseur Jürgen Böttcher erzählt Martha aus ihrem Leben. Ein solches Leben so anrührend zu präsentieren und gleichzeitig eine rauhe Welt so künstlerisch ins Bild zu setzen, das können nur wenige Dokumentaristen. Ein Filmwissenschaftler bringt diese Fähigkeit von Böttcher auf den Punkt: "Er kann noch erkennen, wie die Dinge wirklich sind, über die Stufe des bloßen Dokumentierens, Abbildens hinaus, zu ihrem Wesen vordringen. Er ist fähig, das menschlich Bewegende in ihnen zu entdecken."

 

Coming out

R. Heiner Carow
DDR 1989, 113 Min.
D: Matthias Freihof, Dirk Kummer, Michael Gwisdek, Dagmar Manzel, Walfriede Schmitt u.a.


„Coming out" ist der einzige DEFA-Film, der Homosexualität thematisiert. Regisseur Heiner Carow kämpfte ganze sieben Jahre um diesen Film. Der Zufall der Geschichte wollte es, dass er seine Premiere in der Nacht des Mauerfalls am 9. Novernber 1989 feierte.
Der junge Lehrer Philipp und Kollegin Tanja sind nicht nur beruflich miteinander verbunden, sondern auch ein Paar. Als Philipp Matthias kennen und lieben lernt, entscheidet er sich, seine Gefühle, seine Homosexualität und damit sich selbst zu akzeptieren.
Heiner Carow inszenierte diesen Film sehr einfühlsam und ohne jeden Voyeurismus. Als er gefragt wurde, ob er ein Tabu brechen wollte, antwortete er: „Es spielt im Grunde keine Rolle, wen man liebt ... Wenn es Liebe ist - ist es Liebe.“

Der schweigende Stern

DDR/VR Polen, R: Kurt Maetzig, 1964, 95 Min
D: Yoko Tani, Ignacy Machowski, Günther Simon, Ruth Maria Kubitschek, Eva-Maria Hagen


Der erste Science-Fiction-Film der DEFA nach einem utopischen Roman von Stanislaw Lem.

1970 wird bei Ausgrabungen eine Spule entdeckt, die von einem 1908 in der Tunguska niedergegangenen Raumschiff stammt und eine Botschaft von der Venus enthält. Ein sowjetischs Raumschiff mit internationaler Besatzung losgeschikt, um das Geheimnis des schweigenden Sterns zu lösen. Die Raumfahrer finden heraus, dass die Venusbewohner einst einen Angriff auf die Erde planten, sich dann aber mit Atomwaffen selbst vernichtet haben.

Internationales Ansehen erlangte der Film vor allem durch seine Spezialeffekte und seine Bauten. Die Computer und Steuertafeln im Raumschiff sind sehenswert und erlauben einen Blick in eine „vergangene“ Zukunft.

Vogelfrei

Frankreich, R: Agnés Varda, 1985, 100 Min.
D: Sandrine Bonnaire, Macha Méril, Yolande Moreau u.a.


Spät erfährt man, dass die mysteriöse Streunerin Mona in ihrem früheren Leben mal als Büroangestellte gearbeitet hat. Doch das muss sie nicht erfüllt haben, denn jetzt sucht sie auf ihren einsamen Wanderungen nach einer imaginären absoluten Freiheit. Sie zieht durch das winterliche Südfrankreich; an keinem Ort bleibt sie lange und mit Menschen, die sie trifft, entstehen keine Bindungen. Auch mit den wohlwollenden nicht. Es fällt schwer, sie gern zu haben. Regisseurin Agn&s Varda ist durch eine Zeitungsmeldung zu dem Film inspiriert worden. Die Anfang dieses Jahres verstorbene belgisch-französische Regisseurin, von Filmkritikern ein wenig uncharmant, aber treffend „Großmutter der Nouvelle Vague" genannt, war eine wichtige Figur des internationalen Autorenkinos, die auch zahlreiche Dokumentarfilme gedreht hat. Pseudodokumentarische Gestaltungselemente fließen auch in „Vogelfrei” ein. Noch bei der Berlinale in diesem Jahr lief ihr Film „Varda par Agnés" vor einem beeindruckten Publikum. Der Schauspielerin Sandrine Bonnaire gelang als Mona der internationale Durchbruch. Agnés Varda erhielt 1985 für ihren Film „Vogelfrei" beim Filmfestival von Venedig als erste Frau einen Goldenen Löwen.

Abschied von Matjora

R: Elem Klimow
UDSSR 1983, 126 Min.
ab 12 Jahren


Das russische Inseldorf Matjora soit wegen des Baus eines Wasserkraftwerkes überflutet werden. Die Dorfbevölkerung ist in ihrer Meinung gespalten. Einige Alte, die lieber mit ihrer Heimat sterben wollten, als sie zu verlieren, widersetzen sich der Evakuierung. Die anderen erkennen den Verlust erst im Augenblick des Untergangs. im Spannungsfeld zwischen Fortschritt und Tradition angesiedelt, überzeugt der Film durch seine zutiefst humane Gesinnung und seine Inszenierung, die mit überwältigenden Bildmetaphern vielschichtige Zusammenhänge erfahrbar macht. Der Film beruht auf einer Novelle des Schriftstellers und Umweltaktivisten Valentin Rasputin. Das Drehbuch schrieb Larissa Schepitko {„Aufstieg"}, die den Film auch inszenieren wolite, Bei der Vorbereitung der Dreharbeiten verunglückte sie bei einem Autounfall tödlich, weshalb ihr Ehemann Elem Klimow den Film realisierte.

Die Weihnachtsgans Auguste

DDR 1988
Regie: Bodo Fürneisen
Darsteller: Dietrich Körner, Peter Bause, Barbara Dittus, Käthe Reichel


Der Kammersänger Löwenhaupt muss zu Weihnachten statt eines knusprigen Gänsebratens eine schmerzhafte Einbuße an familiärer Autorität hinnehmen. Denn er hat extra eine Gans gekauft, die die Kinder mästen sollen. Die Kinder gewinnen das Tier derart lieb, dass sie es nicht schlachten mögen. Doch damit nicht genug: die muntere Auguste stellt noch andere Dinge auf den Kopf. So sorgt sie in der Semperoper und am Dresdner Hauptbahnhof für helle Aufregung. Die Autoren Manfred Freitag und Joachim Nestler verlegten die bekannte Geschichte von Friedrich Wolf in die Dresdner Gegenwart der achtziger Jahre.

Tanz auf dem Vulkan

Deutschland 1938, 81 Min, s/w R: Hans Steinhoff M: Theo Mackeben
D: Gustav Gründgens, Gisela Uhlen, Theo Lingen


1830 in Paris: König Karl X. unterdrückt das Volk, das seinen Vetter Prinz Louis Philippe liebt und schätzt. Aber noch mehr liebt es Debureau, einen Komödianten, der sich mit Spottversen gegen die Tyrannei auflehnt. Sein Hass ist nicht nur politischer, sondern auch persönlicher Natur. Er liebt, wie auch der König, die Gräfin Heloise. Als der König mit ihr das Theater besucht, überschüttet er ihn mit Hohn und Spott und kann nur noch in der Maske Louis Philippes entkommen. Er bittet die Gräfin, mit ihm zu fliehen, aber sie lässt ihn verhaften. Debureau wird zum Tode verurteilt. Als er hingerichtet werden soll, erhebt sich das Volk gegen die Tyrannei. Propagandaminister Goebbels kritisierte den 1938 gedrehten Film, der trotzdem unzensiert durchging. Vor allem den Hit „Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da" rügte er und verbot die Verbreitung dieses Liedes in seiner Filmfassung auf Schallplatte. Heute gilt der Film als Gesamtkunstwerk aus Schauspiel, Ballett und Musik und als eine der besten Inszenierungen seiner Zeit. Vor allem die schauspielerische Leistung Gründgens' und die Musik Mackebens haben zum Erfolg des Films beigetragen.