Museumskino
Klappe, die 20.
Italienischer Neorealismus
30.9. bis 10.12.2011
Der italienische Neorealismus ist eine der bedeutendsten und schöpferischsten Bewegungen der italienischen Filmgeschichte und sein Einfluss auf das europäische Kino, ja eigentlich auf das Weltkino ist beispielgebend. Junge Regisseure, der Autorenfilm auf der ganzen Welt haben durch diese italienische Inspiration das Kino der Moderne weiterentwickelt. Diese Filmbewegung wurde auch von der Literatur z. B. von Italo Calvino oder Cesare Pavese mitbegründet. Sie entstand 1943 während der Zeit des italienischen Faschismus unter Mussolini und reichte bis in die Mitte der fünfziger Jahre. Das erste große Werk des Neorealismus war Ossessione (Besessenheit) von Luchino Visconti, gedreht
1943.Die Folgen der Armut, Leben und Leiden unter Diktatur und Unterdrückung sollten ungeschminkt dargestellt werden.
Es gibt kaum eine Strömung im Spielfilm, die eine solche Realitätsnähe, eine so großes Verhaftetsein am Zeitgeschehen erreichte, wie die Filme des italienischen Neorealismus. Das Drehen an Originalschauplätzen und mit Laiendarstellern neben wenigen Berufsschauspielern, das Tragen von normalen Kostümen, die nicht extra angefertigt wurden, prägen die Ästhetik der Filme. Sie erzählen vom Alltag der kleinen Leute, ihrem täglichen Kampf bei der Bewältigung ihrer Lebensprobleme. So sind beeindruckende Sozial- und Milieustudien von großer Wirkungskraft entstanden, die einen überzeugenden Gegenentwurf zum bis dahin gängigen Kino der anspruchslosen Komödien, Melodramen und Historienfilme in Italien darstellten.
Wichtiger Vorreiter für die Strömung des italienischen Neorealismus war die Bewegung des Poetischen Realismus in Frankreich, der etwa in den 1930er Jahren entstand. Schon in dieser Zeit schufen Regisseure wie Jean Renoir, Marcel Carne oder Rene Clair Filme von großer Realitätsbezogenheit und sozialkritischer Position. Dafür stehen z. B. „Toni“ (1935, Jean Renoir) oder „Hafen im Nebel“ (1938, Marcel Carne) . Diese fortschrittlichen Filmbewegungen wollten sich auch abgrenzen von den Stereotypen des klassischen Hollywood-Genrekinos und dessen Realitätsferne. Die bedeutendsten Regisseure Italiens Luchino Visconti, Roberto Rossellini, Vittorio de Sica, Luigi Zampa, Federico Fellini, Giuseppe De Santis, Michelangelo Antonioni reihten sich in die engagierte Filmbewegung ein und schufen Meisterwerke der Filmkunst, von denen wir in unserer Reihe eine Auswahl vorstellen möchten.
Der Regisseur Alberto Lattuada sagte im Jahre 1958: „Es war ein Kino ohne Voreingenommenheit, ein persönliches und nicht nur ein Industrieprodukt, ein Kino voll wirklichen Glaubens an die Sprache des Films.“
Rom, offene Stadt
Italien 1945, 100 Min, s/w
Regie: Roberto Rossellini
Darsteller: Maria Michi, Francesco Grandjjacquet, Anna Magnani
„Roma, Cittá Aperta“ begründete den weltweiten Ruhm seines Regisseurs Roberto Rossellini und des italienischen Neorealismus. In diesem einzigartigen Zeitdokument und Meilenstein der Filmgeschichte geht es um das authentische Geschehen der Aktivitäten, der Verfolgung und Ermordung einer italienischen Untergrundorganisation zur Zeit der deutschen Besatzung Roms gegen Ende des Zweiten Weltkriegs. Rossellini inszenierte in dokumentarischem Stil die unmenschlichen historischen Begebenheiten.