Fotoausstellungen
Mikrofotografie - Schönheit jenseits des Sichtbaren
Eine Ausstellung der Kunstbibliothek - Sammlung Fotografie, Staatliche Museen zu Berlin, und der Alfred Ehrhardt Stiftung in Zusammenarbeit mit den Technischen Sammlungen24. Februar bis 29. Mai 2011

Manfred Kage: Charismon, flüssige Kristalle, 2003
Die Ausstellung bietet einen erstmaligen Überblick zur Geschichte einer Gattung der Fotografie, in der wissenschaftliche Präzision und künstllerische Phantasie einander durchdringen. Inspiriert durch den Biologen Ernst Haeckel und sein epochales Werk Kunstformen der Natur
(1899 - 1904), entwickelte sich im deutschsprachigen Raum das mikroskopische Bild zum wichtigsten Medium einer von den Naturwissenschaften geprägten Ästhetik. Bisher unsichtbare Formen der Natur wurden zu Vorbildern in der Kunst erhoben.
Im Mittelpunkt stehen Arbeiten der klassischen Moderne, die ihre experimentellen Bildformen aus dem Mikrokosmos bezogen haben. Der Bogen spannt sich von naturwissenschaftlichen Fotografien aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts - darunter jenen des berühmten Biologen Robert Koch - über frühe Arbeiten von Carl Strüwe, Alfred Ehrhardt und August Kreyenkamp aus den 1920er und 1930er Jahren bis hin zu aktuellen künstlerischen Werken, die mittels neuer wissenschaftlicher Visualisierungsmethoden entstanden sind. Werke von Manfred Kage, Protagonist einer künstlersich intendierten, auch von der informellen Malerei beeinflussten Mikrofotografie, werden in einem gesonderten Ausstellungsteil präsentiert.
Zu den Exponaten gehören Aufnahmen von Künstlern der Moderne wie der zeitgenössischen Fotokunst, die sich von den Formenwelten des Mikrokosmos für ihre fotokünstlerische Bildproduktion haben inspirieren lassen. Zusätzlich werden auch Werke aus dem 19. Jahrhundert mit einbezogen, die im rein naturwissenschaftlichen Zusammenhang entstanden sind.

Yuko Labuda: Kamille, matricaria chamomilla 2010
Andreas Gebert: Pollen der Wegwarte, 2006-2009

HUGO ERFURTH (1876 - 1948)
Das private Fotoarchiv aus der Dresdner Zeit (1896 - 1933)
Kabinettausstellung
29, April bis 18. Mai 2010
Im Herbst 2009 konnten die Technischen Sammlungen Dresden den bisher wenig bekannten familiären fotografischen Bildnachlass von Hugo Erfurth (1874 - 1948) aus Privathand erwerben. Hugo Erfurth war einer der bedeutendsten deutschen Porträtfotografen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Von 1896 bis 1934 war Erfurth in Dresden tätig. Hugo Erfurth hat einen kaum zu überschätzenden Einfluss auf die Fotografie in Dresden im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts gehabt. Auch die von ihm veranstalteten Kunstausstellungen im Palais Lüttichau, seinem Atelier, waren Höhepunkte im Dresdner Kunstleben.
Das von den Erben Erfurths den Technischen Sammlungen übereignete Konvolut ist von großer kultur- und fotohistorischer Bedeutung für das fotografische Bildgedächtnis Dresdens und Sachsens. Die Sammlung besteht aus 265 Kartons mit 1.366 Kontaktkopien aus den Jahren 1898 bis 1933 sowie 20 Originalurkunden von fotografischen Wettbewerben zwischen 1894 und 1939. Die Fotografien gewähren Einblicke in das Familienleben des Fotografen im damaligen Dresden, seinen großen und prominenten Freundeskreis, die berühmten Künstlerfeste dieser Zeit sowie zahlreiche Reisen Erfurths und seiner Familie. Ein prominentes Leben im vergangenen Dresden wird sichtbar. Durch die Übernahme in die Museumssammlung konnte eine wichtige Quelle für Forschungen zu Dresdner Künstlerbiografien, zur Kultur- und zur Stadtgeschichte gesichert werden. Auch Hugo Erfurth hat diesem fotografischen Tagebuch großen Wert beigemessen, denn er bewahrte die fotografierten Erinnerungen an die Dresdner Jahre über alle Wechselfälle seines Lebens hinweg auf. 1934 nach Köln gezogen, verlor er während des Krieges den Großteil seines Archivs. Doch konnte er seine private Sammlung retten – die nun an den Ort ihrer Entstehung zurückgekehrt ist.
Die spektakuläre Bereicherung für die Technischen Sammlungen Dresden wurde möglich dank der maßgeblichen Förderung durch die Sächsische Landesstelle für Museumswesen sowie der Unterstützung durch zwei private Spenderinnen.Die Technischen Sammlungen zeigen erstmalig einen kleinen, repräsentativen Teil der Neuerwerbung. Außerdem sind einige großformatige Glasnegative aus einer größeren Sammlung von Originalnegativen von Hugo Erfurth zu sehen. Diese gehörten zum Bestand des ehemaligen Museums für Photographie in Dresden, der in den Technischen Sammlungen bewahrt und gegenwärtig erschlossen wird.
RALF MEYER - ZUM STAND DER DINGE
Ralf Meyer - Fotografie
19. März bis 27. Juni 2010
Die Die Ausstellung präsentiert Ergebnisse des neugeschaffenen Stipendiums Fotografie der Stiftung Kunst & Kultur der Ostsächsischen Sparkasse Dresden. Der vor allem durch seine Arbeit zur Zeugniskraft historischer Architektur ausgewiesene Fotograf Ralf Meyer entwirft ein facettenreiches Bild der sächsischen Landeshauptstadt. Er hielt sich von März bis Mai 2009 in Dresden auf. Seine fotografischen Aufnahmen spiegeln eine von Neugier geprägte, am Unvertrauten einhakende Wahrnehmung wider. Sowohl die Schauseite der Stadt wie auch eigentümlich surreal wirkende Konstellationen begegnen in seinen farbigen Bildern. Meyer definiert das Thema Stadtbild auf eigene Weise: Sein Blick auf Dresden ist unkonventionell, geprägt von der Liebe zum Detail und einem einfühlenden Verständnis für die quasi naturgegebene Komik des menschlichen Lebens.
Eine Ausstellung mit Unterstützung und in Zusammenarbeit mit der Stiftung Kunst & Kultur der Ostsächsischen Sparkasse Dresden.

Grüne Oasen: Kleingartenanlagen in Dresden/Green Spaces: Small Garden Communities of Dresden
Ardine Nelson Colimbus/Ohio
Fotografien
30. April bis 10.7.2010, Backstage Gallery

Die amerikanische Fotografin Ardine Nelson kam erstmalig 2004 nach Dresden und entdeckte hier die ihr bis dahin völlig unbekannte Kultur der Schrebergärten und Kleingartenanlagen mit ihren speziellen Organisationsformen gemeinschaftlichen Lebens. Nachdem sie sich mit dem Thema erfolgreich für ein Stipendium der John Simon Guggenheim Memorial Foundation, New York, beworben hatte, weilte sie 2008 und 2009 mehrfach in Dresden mit dem Ziel, die Schrebergartenkultur fotografisch zu dokumentieren. Nach einer ersten Präsentation der Arbeiten in der Galerie Raskolnikow, Dresden, übergab Ardine Nelson 36 Blätter mit fotografischen Bildern den Technischen Sammlungen Dresden als Schenkung. Zur Serie gehören auch 16 Porträts mit Kurzkommentaren zu den Inhabern der Gärten, die fotografiert worden waren – in Gruppen von jeweils 4 Bildnissen auf einem Blatt. In der Galerie auf Zeit werden 23 Fotografien präsentiert.
Ardine Nelsons farbige Aufnahmen zeigen die domestizierte Natur der Kleingartenanlagen in ihrer Durchmischung von ländlichen und städtischen Raumelementen. Die Gärten erscheinen als Orte naturnahen Lebens und kleine Paradiese – traumhaft selbst noch in ihrer Aufgeräumtheit und Perfektion.
Ardine Nelson
geboren 1948 in Chicago, Illinois,
Professorin für Fotografie, Department of Art, The Ohio State University, Columbus, OhioLebt in Columbus
DER VEB PENTACON DRESDEN

Die Ausstellung
Der volkseigene Betrieb VEB Pentacon Dresden, Nachfolger der Firmen Heinrich Ernemann AG für Cameraproduktion und Zeiss Icon AG, steht mit seiner komplexen und wechselvollen Geschichte für die eines ganzen Industriezweiges in der DDR. Nahezu zeitgleich zum Datum der deutschen Wiedervereinigung im Herbst 1990 wurde die Produktion am heutigen Standort der Technischen Sammlungen Dresden eingestellt.Die Präsentation zur Geschichte des VEB Pentacon Dresden entstand anlässlich der Fertigstellung der gleichnamigen Publikation. Sie wurde von den Technischen Sammlungen Dresden in enger Zusammenarbeit mit dem Autor Dr. Gerhard Jehmlich erarbeitet.In knapper Form werden Phasen und Fragestellung in der Geschichte der Fotoindustrie in und um Dresden nach 1945 thematisiert und mit originalen Exponaten – Produkten und Schriftstücken - belegt.
Das Projekt ist Bestandteil der neu zu konzipierenden Gesamtdarstellung zum Thema Fotografie und Kinematografie im Museum. Voraussichtlich im Herbst 2010 wird eine erweiterte Präsentation folgen.
Die Publikation
Dr. Gerhard Jehmlich war über lange Zeit Leiter der Forschung und Entwicklung des VEB Pentacon. Aus eigener Kenntnis und auf der Basis von Archivstudien und Zeitzeugenerinnerungen stellt er die Innovationen in Technik und Fertigung sowie die ökonomischen Erfolge des Unternehmens dar. Dabei werden auch die Hemmnisse beschrieben, die durch zentralistische Wirtschaftsführung, fehlende Ressourcen und die Restriktionen des Kalten Kriegs bedingt waren, die schließlich zum Verlust der Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt führten. Eingebettet ist die Geschichte des VEB Pentacon in einen Rückblick auf die Entwicklung der Dresdner Kameraindustrie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und in einen Ausblick auf die Aus- und Neugründungen nach der Liquidation des Kombinates durch die Treuhand. Dieses Buch mit seinen umfassenden Informationen, zahlreichen Abbildungen, Tabellen und Produktübersichten zeichnet beispielhaft das differenzierte Bild eines bedeutenden Industriebetriebes der DDR – und der Lebensleistung seiner Beschäftigten.
Das Buch ist zum Preis von 29,90 Euro im Museumsshop erhältlich.
Bei Fragen an den Verlag wenden Sie sich bitte an Meike Griese, Lektorin Sandstein Verlag: 0351 - 44 07 83 6, griese@sandstein.de.
FRANZ FIEDLER. FOTOGRAFIE
18. April - 17. Juni 2007

Bildnis einer Tänzerin, 1932, © Technische Sammlungen Dresden
Franz Fiedler (1885–1956) geboren in einer deutschsprachigen Familie in Prostejov/ Proßnitz, entwickelte eine der markantesten Positionen einer Fotografie, die von den malerischen Idealen einer handwerklich aufwändigen „bildmäßigen Photographie“ der Jahrhundertwende ausging und gemäßigte Formen der fotografischen Moderne der 1920er und 1930er Jahre des 20. Jahrhunderts integrierte. Nach beruflichen Anfängen im Bereich der k.u.k. Monarchie lernte Fiedler zunächst bei Rudolf Dührkoop in Hamburg und ab 1908 beim wohl bedeutendsten deutschen Porträtfotografen der ersten Jahrhunderthälfte Hugo Erfurth (1874–1948) in Dresden. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Fiedler bleibend in Dresden ansässig und betrieb ein fotografisches Atelier, in dem er gewerbliche Notwendigkeiten mit künstlerischen Ansprüchen zu verbinden suchte. In den 1920er und 1930er Jahren unternahm er mehrfach Bilderreisen nach Italien, Griechenland und Tunesien. 1925 wurde seine Arbeit auf einer der großen Ausstellungen jener Zeit, der „Kipho Berlin“ (Kino und Photo) durch eine Auszeichnung gewürdigt. Im Jahr 1930 erschien sein Buch „Dresden in Bildern“, das ihn als sowohl konventionell arbeitenden, wie auch den Perspektiven des „Neuen Sehens“ aufgeschlossenen Fotografen zeigt. Mehrfach veröffentlichte Fiedler zum Thema Porträtfotografie, unter Einbeziehung auch physiognomischer Deutungsmuster.
Im Februar 1945 wurden Atelier und Archiv Franz Fiedlers vollständig zerstört. In den Jahren danach unterrichtete er zeitweilig in der privaten Fotoschule von Pan Walther, u. a. die später bekannten Fotografinnen Evelyn Richter und Anneliese Kretschmer, und setzte die von ihm niemals aufgegebene Praxis kunstfotografischer Druckverfahren fort. Anfang der 50er Jahre arbeitete er mit experimentellen Dunkelkammertechniken wie der Solarisation. Nach seinem Tod kommt 1957 in einem kulturpolitisch schwierigen Umfeld das von Helmut Grunwald redigierte Buch „Porträtfotografie“ heraus, ebenfalls postum 1960 eine Monographie.
Fiedlers Werk ist nur fragmentarisch überliefert. Ende der 1950er Jahre wurde aus Familienbesitz in der Tschechoslowakei der durch Zufälle erhaltene Bestand von 160 fotografischen Abzügen vom „Museum für Fotografie“, einer Vorgängerinstitution der Technischen Sammlungen Dresden, übernommen. Die Mährische Galerie, das Museum in seiner Geburtsstadt Prostejov sowie das Kupferstich-Kabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden bewahren weitere Teilbestände auf.



Bilder von links nach rechts: Ferdinand Dorsch, ca.1928; Bildnis einer jungen Frau, ca.1930; Otto Dix, ca.1927
Nach einer frühen Ausstellung 1981 in Prostejov und Brno ist die aktuelle Ausstellung der erste Versuch eines Überblicks. Er wurde maßgeblich von Antonín Dufek, dem langjährigen Kurator der fotografischen Sammlung an der Mährischen Galerie, erarbeitet, dem auch das Verdienst gebührt, diesen Fundus des gemeinsamen deutsch-tschechischen Kulturerbes bewahrt zu haben.
Der dreisprachige Katalog im Umfang von 156 Seiten liegt zur Ausstellung vor
WAHRZEICHEN
11.11.2006 – 18.02.2007
Wahr-Zeichen. Fotografie und Wissenschaft
Seit ihrer Erfindung im frühen 19. Jahrhundert hat die Fotografie in den naturwissenschaftlichen Disziplinen eine zentrale Rolle gespielt und maßgeblich zu deren moderner Herausbildung beigetragen, sei es als Instrument und Gegenstand der Forschung oder als Mittel zu ihrer Dokumentation. Die Beziehung zwischen fotografischem Bild und Wissenschaft steht im Zentrum des Ausstellungsprojektes „Wahr-Zeichen. Fotografie und Wissenschaft“, das in zwei Teilen verschiedene Aspekte des Beziehungsgefüges von Wissenschaft, Fotografie und Kunst vorstellt.
Der Ausstellungsteil in der ALTANAGalerie ist – kombiniert mit einem historischen Rückblick – fotografischen Positionen der internationalen Gegenwartskunst gewidmet, die im Grenzbereich zwischen Kunst und Wissenschaft verortet sind. Die dort präsentierten Künstlerinnen und Künstler verbinden auf ganz unterschiedliche Weise künstlerische mit wissenschaftlichen Aspekten und reflektieren in Thematik und Methodik Fragestellungen aktueller Forschung.
Der technisch-apparative Aspekt steht im Mittelpunkt der Ausstellung in den Technischen Sammlungen, kombiniert mit einigen ausgewählten künstlerischen Arbeiten. Ausgehend von Hermann Krones Ende des 19. Jahrhunderts zusammengestelltem „Historischem Lehrmuseum für Photographie“ werden hier die Themenfelder Astronomie, Röntgentechnik, Geowissenschaften und Kunstreproduktion sowohl in historischer als auch in aktueller Perspektive vorgestellt und der Zusammenhang von Technologie und fotografischem Bild erläutert.
Die Ausstellung „Wahr-Zeichen. Fotografie und Wissenschaft“ ist ein gemeinsames Projekt der Technischen Sammlungen Dresden. Museen der Stadt Dresden und der Kustodie der Technischen Universität Dresden. Sie wird anlässlich des „Stadtjubiläums 2006 – Dresden 800“ und im Programm „Dresden. Stadt der Wissenschaft 2006“ veranstaltet.
Zur Ausstellung erscheinen zwei Kataloge.
TRÜMMERSTÄDTE 1945 – FOTOGRAFIEN VON WALTER FRENTZ
10. Februar bis 28. März 2005
Walter Frentz (1907-2004) fotografierte von Ende 1944 bis März 1945 mehrere der nach den schweren Luftangriffen des sechsten Kriegswinters verwüsteten deutschen Städte. Seine Farbaufnahmen zeigen Trümmerlandschaften in den Zentren von München, Ulm, Stuttgart, Nürnberg, Frankfurt am Main, Köln und Dresden. Seit 1941 war Frentz ständiger Kameramann in den Hauptquartieren Adolf Hitlers. Seine Filmaufnahmen und Fotografien von zahlreichen Reisen durch die besetzten Länder Europas machten ihn zum "Auge Hitlers" und prägten dessen Blick auf die Welt im Krieg. Viele der Aufnahmen, die Adolf Hitler und dessen engsten Führungskreis zeigen, stammen von Walter Frentz. Seine privilegierte Position ermöglichte ihm auch die Fahrten während der letzten Phase des Krieges. Nähere Umstände sind nicht bekannt: Offenbar kam es Walter Frentz darauf an, die von ihm als Apokalypse erlebten Zerstörungen für die Nachwelt zu dokumentieren. In Dresden betrieb Frentz einen besonderen gestalterischen Aufwand. Er wiederholte Perspektiven, die schon von den klassischen Veduten bekannt waren, wie die Blickachsen vom Zwinger zum Schloss und zur Hofkirche oder von der Augustusbrücke zur Brühlschen Terrasse. Auch ist nachvollziehbar, dass er nach dem besten Standpunkt suchte und zur Verbesserung der räumlichen Gliederung des Bildes rahmende Elemente einbezog. Die Auswahl in der Ausstellung gibt die Reihenfolge der Aufnahmen auf dem Original-Negativfilm wieder. Auffällig ist, dass kriegswichtige Ziele, wie Fabriken und Verkehrseinrichtungen, nicht abgebildet wurden. Die Fotografien beschränken sich auf die Wiedergabe von Zerstörungen an historischen Bauwerken und Stadtvierteln, so als ob sie den Kriegsgegner der Kulturbarbarei bezichtigen wollten. Eine Aufnahme mit der vor der zerbombten Innenstadt gesehenen Figur des Posaunenengels am Freiburger Münster verweist auf eine erweiterte Deutung, sie interpretiert das Geschehen als Weltgericht. Auch im Aufgreifen dieser bildrhetorischen Figur lassen sich die Bilder von Walter Frentz der deutschen Trümmerfotografie zuordnen, die nach dem Krieg sehr bald politisch instrumentalisiert wurde. Walter Frentz selbst verzichtete auf eine Publikation. Die meisten der 24 Dresdner Aufnahmen in der Ausstellung sind bisher noch niemals öffentlich gezeigt worden.
Die Bildrechte liegen beim Sohn des Fotografen Hanns-Peter Frentz
(brenken-frentz(at)bpk.spk-berlin.de, Tel: 030/27879212 - Atelier)
BILDBEKANNTSCHAFTEN
22. Juni bis 26. September 2004

Badeszene am Ganges von Oswald Lübeck ©TSD
Die visuelle Erkundung ferner und fremder Welten zählte vor über 150 Jahren zu den ersten Aufgaben der damals neuen Fotografie. Noch im Zeitalter von globalem Tourismus und digitalen Bilderfluten hat der fotografische Blick auf das Unbekannte, auf Orte der Sehnsucht und in die wenigen verbliebenen Reservate des Unerreichbaren nichts von seiner Faszination eingebüßt. Das beweisen die Popularität von Multivisions-Shows fotografierender Globetrotter ebenso wie der Run auf die neuesten Marsbilder im Internet. Für die Ausstellung BILDBEKANNTSCHAFTEN haben die Technischen Sammlungen Dresden 160 Zeugnisse aus der Frühzeit fotografischer Welterkundung zusammengetragen, von Daguerreotypien der 1840er Jahre bis zu den Bildern einer kurz vor dem Ersten Weltkrieg unternommenen Weltreise. Entstanden in einer Zeit, als internationale und interkontinentale Reisen durch Eisenbahnen und Dampfschiffe technisch möglich, aber nur für die Wenigen auch machbar geworden waren, die über genügend Vermögen oder Abenteuerlust oder über Beides verfügten, dokumentieren die Fotografien Begegnungen zwischen Mitteleuropa und Indien, China, Südostasien, Nordafrika und Amerika, der mediterranen Wiege des Abendlandes und polaren Eislandschaften. Auf den Bildern treffen Vorwissen und Vorurteile der reisenden Amateur- und Berufsfotografen mit der Selbstdarstellung und dem Eigensinn der fremden Welten zusammen. Manche Fotografien lassen das wechselseitige Erstaunen erahnen, das daraus resultierte. Andere produzierten neue Stereotypen und Missverständnisse. Eindrucksvoll zeigen dies in der Ausstellung die zart kolorierten Fotografien, die ein Chemnitzer Wissenschaftler 1884 von einer Reise nach Japan mitgebracht hat. Während die japanische Gesellschaft sich kurz zuvor dem Westen geöffnet und in einen rasanten Modernisierungsprozess gestürzt hatte, inszenierten boomende Bilderfabriken in Yokohama speziell für die Besucher aus Amerika und Europa Fotosouvenirs von traditionellen Lebenswelten, die soeben untergegangen waren.