Technische Sammlungen Dresden

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Fotoausstellungen

FRANZ FIEDLER. FOTOGRAFIE
18. April - 17. Juni 2007


Bildnis einer Tänzerin, 1932

Bildnis einer Tänzerin, 1932, © Technische Sammlungen Dresden

Franz Fiedler (1885–1956) geboren in einer deutschsprachigen Familie in Prostejov/ Proßnitz, entwickelte eine der markantesten Positionen einer Fotografie, die von den malerischen Idealen einer handwerklich aufwändigen „bildmäßigen Photographie“ der Jahrhundertwende ausging und gemäßigte Formen der fotografischen Moderne der 1920er und 1930er Jahre des 20. Jahrhunderts integrierte. Nach beruflichen Anfängen im Bereich der k.u.k. Monarchie lernte Fiedler zunächst bei Rudolf Dührkoop in Hamburg und ab 1908 beim wohl bedeutendsten deutschen Porträtfotografen der ersten Jahrhunderthälfte Hugo Erfurth (1874–1948) in Dresden. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Fiedler bleibend in Dresden ansässig und betrieb ein fotografisches Atelier, in dem er gewerbliche Notwendigkeiten mit künstlerischen Ansprüchen zu verbinden suchte. In den 1920er und 1930er Jahren unternahm er mehrfach Bilderreisen nach Italien, Griechenland und Tunesien. 1925 wurde seine Arbeit auf einer der großen Ausstellungen jener Zeit, der „Kipho Berlin“ (Kino und Photo) durch eine Auszeichnung gewürdigt. Im Jahr 1930 erschien sein Buch „Dresden in Bildern“, das ihn als sowohl konventionell arbeitenden, wie auch den Perspektiven des „Neuen Sehens“ aufgeschlossenen Fotografen zeigt. Mehrfach veröffentlichte Fiedler zum Thema Porträtfotografie, unter Einbeziehung auch physiognomischer Deutungsmuster.

Im Februar 1945 wurden Atelier und Archiv Franz Fiedlers vollständig zerstört. In den Jahren danach unterrichtete er zeitweilig in der privaten Fotoschule von Pan Walther, u. a. die später bekannten Fotografinnen Evelyn Richter und Anneliese Kretschmer, und setzte die von ihm niemals aufgegebene Praxis kunstfotografischer Druckverfahren fort. Anfang der 50er Jahre arbeitete er mit experimentellen Dunkelkammertechniken wie der Solarisation. Nach seinem Tod kommt 1957 in einem kulturpolitisch schwierigen Umfeld das von Helmut Grunwald redigierte Buch „Porträtfotografie“ heraus, ebenfalls postum 1960 eine Monographie.

Fiedlers Werk ist nur fragmentarisch überliefert. Ende der 1950er Jahre wurde aus Familienbesitz in der Tschechoslowakei der durch Zufälle erhaltene Bestand von 160 fotografischen Abzügen vom „Museum für Fotografie“, einer Vorgängerinstitution der Technischen Sammlungen Dresden, übernommen. Die Mährische Galerie, das Museum in seiner Geburtsstadt Prostejov sowie das Kupferstich-Kabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden bewahren weitere Teilbestände auf.

 Ferdinand Dorsch, ca.1928Bildnis einer jungen Frau, ca.1930Otto Dix, ca.1927

Bilder von links nach rechts: Ferdinand Dorsch, ca.1928; Bildnis einer jungen Frau, ca.1930; Otto Dix, ca.1927
Nach einer frühen Ausstellung 1981 in Prostejov und Brno ist die aktuelle Ausstellung der erste Versuch eines Überblicks. Er wurde maßgeblich von Antonín Dufek, dem langjährigen Kurator der fotografischen Sammlung an der Mährischen Galerie, erarbeitet, dem auch das Verdienst gebührt, diesen Fundus des gemeinsamen deutsch-tschechischen Kulturerbes bewahrt zu haben.

Der dreisprachige Katalog im Umfang von 156 Seiten liegt zur Ausstellung vor

WAHRZEICHEN
11.11.2006 – 18.02.2007

Wahr-Zeichen. Fotografie und Wissenschaft


Foto von Radiolarie


Seit ihrer Erfindung im frühen 19. Jahrhundert hat die Fotografie in den naturwissenschaftlichen Disziplinen eine zentrale Rolle gespielt und maßgeblich zu deren moderner Herausbildung beigetragen, sei es als Instrument und Gegenstand der Forschung oder als Mittel zu ihrer Dokumentation. Die Beziehung zwischen fotografischem Bild und Wissenschaft steht im Zentrum des Ausstellungsprojektes „Wahr-Zeichen. Fotografie und Wissenschaft“, das in zwei Teilen verschiedene Aspekte des Beziehungsgefüges von Wissenschaft, Fotografie und Kunst vorstellt.

Der Ausstellungsteil in der ALTANAGalerie ist – kombiniert mit einem historischen Rückblick – fotografischen Positionen der internationalen Gegenwartskunst gewidmet, die im Grenzbereich zwischen Kunst und Wissenschaft verortet sind. Die dort präsentierten Künstlerinnen und Künstler verbinden auf ganz unterschiedliche Weise künstlerische mit wissenschaftlichen Aspekten und reflektieren in Thematik und Methodik Fragestellungen aktueller Forschung.

Der technisch-apparative Aspekt steht im Mittelpunkt der Ausstellung in den Technischen Sammlungen, kombiniert mit einigen ausgewählten künstlerischen Arbeiten. Ausgehend von Hermann Krones Ende des 19. Jahrhunderts zusammengestelltem „Historischem Lehrmuseum für Photographie“ werden hier die Themenfelder Astronomie, Röntgentechnik, Geowissenschaften und Kunstreproduktion sowohl in historischer als auch in aktueller Perspektive vorgestellt und der Zusammenhang von Technologie und fotografischem Bild erläutert.

 

Die Ausstellung „Wahr-Zeichen. Fotografie und Wissenschaft“ ist ein gemeinsames Projekt der Technischen Sammlungen Dresden. Museen der Stadt Dresden und der Kustodie der Technischen Universität Dresden. Sie wird anlässlich des „Stadtjubiläums 2006 – Dresden 800“ und im Programm „Dresden. Stadt der Wissenschaft 2006“ veranstaltet.

 

Zur Ausstellung erscheinen zwei Kataloge.

 
TRÜMMERSTÄDTE 1945 – FOTOGRAFIEN VON WALTER FRENTZ
10. Februar bis 28. März 2005

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Walter Frentz (1907-2004) fotografierte von Ende 1944 bis März 1945 mehrere der nach den schweren Luftangriffen des sechsten Kriegswinters verwüsteten deutschen Städte. Seine Farbaufnahmen zeigen Trümmerlandschaften in den Zentren von München, Ulm, Stuttgart, Nürnberg, Frankfurt am Main, Köln und Dresden. Seit 1941 war Frentz ständiger Kameramann in den Hauptquartieren Adolf Hitlers. Seine Filmaufnahmen und Fotografien von zahlreichen Reisen durch die besetzten Länder Europas machten ihn zum "Auge Hitlers" und prägten dessen Blick auf die Welt im Krieg. Viele der Aufnahmen, die Adolf Hitler und dessen engsten Führungskreis zeigen, stammen von Walter Frentz. Seine privilegierte Position ermöglichte ihm auch die Fahrten während der letzten Phase des Krieges. Nähere Umstände sind nicht bekannt: Offenbar kam es Walter Frentz darauf an, die von ihm als Apokalypse erlebten Zerstörungen für die Nachwelt zu dokumentieren. In Dresden betrieb Frentz einen besonderen gestalterischen Aufwand. Er wiederholte Perspektiven, die schon von den klassischen Veduten bekannt waren, wie die Blickachsen vom Zwinger zum Schloss und zur Hofkirche oder von der Augustusbrücke zur Brühlschen Terrasse. Auch ist nachvollziehbar, dass er nach dem besten Standpunkt suchte und zur Verbesserung der räumlichen Gliederung des Bildes rahmende Elemente einbezog. Die Auswahl in der Ausstellung gibt die Reihenfolge der Aufnahmen auf dem Original-Negativfilm wieder. Auffällig ist, dass kriegswichtige Ziele, wie Fabriken und Verkehrseinrichtungen, nicht abgebildet wurden. Die Fotografien beschränken sich auf die Wiedergabe von Zerstörungen an historischen Bauwerken und Stadtvierteln, so als ob sie den Kriegsgegner der Kulturbarbarei bezichtigen wollten. Eine Aufnahme mit der vor der zerbombten Innenstadt gesehenen Figur des Posaunenengels am Freiburger Münster verweist auf eine erweiterte Deutung, sie interpretiert das Geschehen als Weltgericht. Auch im Aufgreifen dieser bildrhetorischen Figur lassen sich die Bilder von Walter Frentz der deutschen Trümmerfotografie zuordnen, die nach dem Krieg sehr bald politisch instrumentalisiert wurde. Walter Frentz selbst verzichtete auf eine Publikation. Die meisten der 24 Dresdner Aufnahmen in der Ausstellung sind bisher noch niemals öffentlich gezeigt worden.

Die Bildrechte liegen beim Sohn des Fotografen Hanns-Peter Frentz
(brenken-frentz(at)bpk.spk-berlin.de, Tel: 030/27879212 - Atelier)


BILDBEKANNTSCHAFTEN
22. Juni bis 26. September 2004


Badeszene am Ganges von Oswald Lübeck

Badeszene am Ganges von Oswald Lübeck ©TSD

Die visuelle Erkundung ferner und fremder Welten zählte vor über 150 Jahren zu den ersten Aufgaben der damals neuen Fotografie. Noch im Zeitalter von globalem Tourismus und digitalen Bilderfluten hat der fotografische Blick auf das Unbekannte, auf Orte der Sehnsucht und in die wenigen verbliebenen Reservate des Unerreichbaren nichts von seiner Faszination eingebüßt. Das beweisen die Popularität von Multivisions-Shows fotografierender Globetrotter ebenso wie der Run auf die neuesten Marsbilder im Internet. Für die Ausstellung BILDBEKANNTSCHAFTEN haben die Technischen Sammlungen Dresden 160 Zeugnisse aus der Frühzeit fotografischer Welterkundung zusammengetragen, von Daguerreotypien der 1840er Jahre bis zu den Bildern einer kurz vor dem Ersten Weltkrieg unternommenen Weltreise. Entstanden in einer Zeit, als internationale und interkontinentale Reisen durch Eisenbahnen und Dampfschiffe technisch möglich, aber nur für die Wenigen auch machbar geworden waren, die über genügend Vermögen oder Abenteuerlust oder über Beides verfügten, dokumentieren die Fotografien Begegnungen zwischen Mitteleuropa und Indien, China, Südostasien, Nordafrika und Amerika, der mediterranen Wiege des Abendlandes und polaren Eislandschaften. Auf den Bildern treffen Vorwissen und Vorurteile der reisenden Amateur- und Berufsfotografen mit der Selbstdarstellung und dem Eigensinn der fremden Welten zusammen. Manche Fotografien lassen das wechselseitige Erstaunen erahnen, das daraus resultierte. Andere produzierten neue Stereotypen und Missverständnisse. Eindrucksvoll zeigen dies in der Ausstellung die zart kolorierten Fotografien, die ein Chemnitzer Wissenschaftler 1884 von einer Reise nach Japan mitgebracht hat. Während die japanische Gesellschaft sich kurz zuvor dem Westen geöffnet und in einen rasanten Modernisierungsprozess gestürzt hatte, inszenierten boomende Bilderfabriken in Yokohama speziell für die Besucher aus Amerika und Europa Fotosouvenirs von traditionellen Lebenswelten, die soeben untergegangen waren.


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