Museumskino „ERNEMANN VII B“

Im Museumskino rattert`s noch im Vorführraum und ohne Filmvorführer geht gar nichts. Originale ERNEMANN VII B-Kinoprojektoren aus eigenem Sammlungsbestand werden regelmäßig zum Laufen gebracht und entführen in vergangene Filmwelten. Hier wird 35- und 16mm-Filmtechnik erlebbar.

Eine Besonderheit sind die Stummfilmabende mit Klavierbegleitung. Filmreihen, Specials, Filmnächte und Gespräche mit Filmschaffenden machen das kleine nostalgisch anmutende Kino auch zu einem Treffpunkt für Cineasten.

2018 hat das Museumskino ERNEMANN VII B einen der drei Programmpreise der DEFA-Stiftung erhalten.

Kartenreservierung:

T +49 (0)3 51 488 72 72

Eintrittspreise:

6  Euro / 5 Euro (erm.)
2 Euro Aufschlag bei Stummfilmen mit Livemusik

ERNEMANN VII B 2018 - Klappe, die 37.

In Memoriam: DEFA-Filmregisseur Heiner Carow

Diese Filmreihe ist einem der erfolgreichsten Filmemacher der DEFA gewidmet: Heiner Carow. 2019 hätte er seinen 90. Geburtstag gefeiert.

Heiner Carow zählt zu den wichtigsten Regisseuren der DEFA. DEFA-Klassiker wie „Die Legende von Paul und Paula“ und „Bis dass der Tod euch scheidet“ sind seine Schöpfungen. Auch der erste DEFA-Film über Homosexualität „Coming out“ stammt von ihm. Seine Filme, in der Realität angesiedelt, beschönigen nichts und versprühen doch einen besonderen poetischen Reiz. Sie fanden immer ein großes Publikum.
Wir eröffnen unsere Filmreihe mit dem Film „Die Russen kommen“ , den Carow als eines seiner gelungensten Werke einschätzte. Es war wohl auch sein problemgeladenstes. Auf politischen Druck nach dem 11. Plenum der SED musste der Regisseur diesen Film bearbeiten. Seine Neufassung, die unter dem Titel „Karriere“ 1970 in die Kinos kam, empfand Carow später als Verrat an seinem Film. Erst 1987 gelangte „Die Russen kommen“ (1968) in einer restaurierten Fassung in die Kinos. Seit Anfang der 70er Jahre arbeitete Carow mit dem Szenaristen und Schriftsteller Ulrich Plenzdorf zusammen. Auch sein erfolgreichster Film entsteht nach einer Vorlage von Plenzdorf : „Die Legende von Paul und Paula“. Erzählt wird die Geschichte der alleinerziehenden Verkäuferin Paula, die sich in den verheirateten Paul verliebt. Dem Regisseur gelingt ein unterhaltsamer, komisch wie tragischer Film, der soziale Wirklichkeit und poetischen Traum gekonnt miteinander verbindet. Schauspielerisch brillant sind die beiden Hauptdarsteller Angelica Domröse und Winfried Glatzeder. Sie spielten sich in die Herzen von Millionen Zuschauern und trugen ganz wesentlich zum Kultstatus des Films bei. Er gilt bis heute als erfolgreichster Film in der DEFAGeschichte. Mit seinem letzten DEFA-Film „Coming out“ bricht Carow mit einem Tabu. Er erzählt die Geschichte eines Lehrers, der aus seiner sicheren Welt ausbricht und sich zu seiner Homosexualität bekennt. Der Film erhielt auf der Berlinale einen Silbernen Bären.