Ein-Blick
Die Technischen Sammlungen Dresden zeigen in dieser Rubrik in loser Folge ausgewählte Stücke aus ihren Beständen.
Oktober 2011
Telefonapparat „alpha ferro quick“ 
Schneller, bequemer und sicherer, so lautete das Versprechen, mit dem 1983 das erste Tastentelefon der DDR ein neues Zeitalter der Telefonie eröffnen sollte. „alpha ferro quick“ – der Name war Programm und die Bedienungsanleitung pries die „neuen Gebrauchswerte“ des Apparates: „Eintasten der Ziffern, Einfügen von Wahlunterbrechungspause und Wahlwiederholung“. All das ermöglichte „die zukunftsweisende Technik der Mikroelektronik“. Doch der Hinweis darauf, dass „mit dem Kauf des Fernsprechapparates … keine Rechte auf Errichtung eines Fernsprechanschlusses erworben“ werden, führte rasch zurück in die triste Wirklichkeit des Telefonierens in der DDR. Deren Ende war bereits nicht mehr aufzuhalten, als das Tastwahltelefon, das sich heute im Bestand der Technischen Sammlungen befindet, am 17. November 1989 für 395 Mark seinen damals gewiss stolzen ersten Besitzer fand.
Juli 2011
Elektrisiermaschine

Hersteller unbekannt, Anfang 19. Jh.
Elektrizität faszinierte das Publikum, lange bevor die Elektrotechnik den Alltag eroberte. Am Beginn standen Experimente mit elektrischen Ladungen, die man durch Reibung erzeugte. Seit dem 18. Jahrhundert gab es dafür Maschinen: Durch eine Handkurbel angetrieben, rieben isolierende Materialien kontinuierlich aneinander. Die getrennten Ladungen speicherte man in einfachen Kondensatoren. Um 1760 entstand die Bauform mit einer drehenden Glasscheibe, Reibzeug aus Leder und Metallhohlkugeln als Sammlern der elektrischen Ladung. Mit Scheiben-Elektrisiermaschinen ließen sich Leerlaufspannungen von mehr als 100 000 Volt erzeugen.
Die in den Technischen Sammlungen gezeigte Maschine stammt aus dem Besitz von Richard Sauer, der um 1900 Gymnasialprofessor im schlesischen Landkreis Glatz war. Sie ist das älteste Exponat der Technischen Sammlungen.
Juni 2011
Kino I, 1904, Heinrich Ernemann, Aktiengesellschaft für Camerafabrikation in Dresden
Museen der Stadt Dresden, Technische Sammlungen, Inv.Nr. 19554
Der „Ernemann Kino“ – der erste Kinematograph für Amateure
Die Faszination bewegter Bilder, der Wunsch, Momente des privaten Lebens festzuhalten sowie das Gespür für eine lukrative Geschäftsidee - all dies mag Heinrich Ernemann bewogen haben, 1903 den ersten „Kinematographen für den Amateurphotographen“ der Öffentlichkeit vorzustellen. Er gab ihm den zugkräftigen Namen „Kino“, noch heute ein stehender Begriff für das laufende Bild. Das kleine und leichte Filmgerät war Aufnahme-, Entwicklungs- und Vorführmaschine in einem. Es arbeitete mit einem 17,5 mm breiten Film mit Mittelperforation zwischen den Einzelbildern, der als „Ernemann-Einlochfilm“ verkauft wurde. Mit seinem Nachfolger, dem „Kino II“, hielt sich dieses erste Amateurfilmformat über zehn Jahre erfolgreich auf dem Markt, obwohl die Geräte mit 150 Mark ausgesprochen teuer waren und nur für wohlhabende Freizeitfilmer erschwinglich.
April 2011
Perpetuum Mobile, Konstruktion und Umsetzung: Kurt Scholze, um 1980
Jeder potentielle Erfinder eines Perpetuum Mobile rüttelt an den Grundfesten der Physik. Auch der Oberlausitzer Tüftler Kurt Scholze (1905–1996) revoltierte mit seinen Rezirkulationsmühlen sechs Jahrzehnte lang gegen den Energieerhaltungssatz. Die Arbeiten des Maschinenschlossers befanden sich dabei stets in bester Gesellschaft: Bereits vor 300 Jahren hatte der in Zittau geborene Mechanikus Johann Bessler ein Rad vorgeführt, das sich angeblich von allein bewegte und auch Lasten hob. So ehrgeizig war Scholze nicht; ihm genügte eine ständige Rotation nach kosmischem Vorbild. Die letzte Version der Maschine wurde nach seinem Tod entdeckt. Scholze verwendete als Fluidum 140 Stahlkugeln, welche über Rinnen auf das 1,30 Meter große Schaufelrad geleitet werden. Die Drehbewegung des Rades treibt wiederum die beiden senkrechten Vorratsröhren an. Sie befördern die Stahlkugeln, theoretisch, wieder nach oben zurück.
Februar 2011


Schatulle mit Stoffhandschuhen, Handschuhspreizer und Ösenschließer
Unbekannter Hersteller, Ende 19./Anfang 20. Jahrhundert
Dezember 2010
Louis Held (1851 - 1927), o. T. (Lil Dagover), 1912, 39,7 x 29,4 cm
Bildnachweis: Technische Sammlungen Dresden. Museen der Stadt Dresden
Lil in Weimar
Lächelnd und selbstbewusst blickt die junge Dame in die Kamera. Die Fotografie entstand im Jahr 1912 von Hand des angesehenen Gesellschaftsfotografen im Großherzoglichen Weimar, Louis Held (1851-1927). Kontakt zu der damals noch unbekannten Martha Seubert (1887-1980) erhielt Held möglicherweise durch ihren künftigen Gatten, den gefeierten Theaterschauspieler Fritz Daghofer. 1913 arbeitete Held erneut mit der jungen Frau zusammen. Im Schlosspark von Weimar entstanden unter dem Titel Schlangentanz die ersten Filmaufnahmen des späteren UfA-Stars Lil Dagover, der Grand Dame des deutschen Kinos.
Die Technischen Sammlungen besitzen rund 350 Fotografien von Louis Held, darunter auch das Jugend-Portrait der Lil Dagover.
November 2010
Damen-Kamera der Firma Certo-Camera-Werk Großzschachwitz, ca. 1906, nicht im Originalzustand: Objektiv nachträglich verändert (nicht funktionstüchtig), Trage-Kette fehlt
Damenhandtasche im Kamera-Depot
Im Kamera-Depot der Technischen Sammlungen verbirgt sich eine kleine edle Damenhandtasche in Form einer Lyra, bespannt mit Reptilienleder und aufwendig verziert mit metallenen Jugendstil-Beschlägen. Man trug sie an einer Kette wahlweise als Handtasche, Gürteltasche oder Umhängetasche. Doch der Schein trügt: Öffnet man das vermeintliche Damenhandtäschchen, öffnet sich eine Laufbodenkamera für Fotoplatten mit feinem grünen Lederbalgen. Passend zur Mode der Jahrhundertwende brachte das Certo-Camera-Werk in Großzschachwitz bei Dresden um 1900 diese Kamera speziell für Damen auf den Markt. Die Firma bewarb die Damen-Kamera 1906 als „Eleganteste Neuheit“ und „Unauffälligster photograph. Apparat“.
Oktober 2010
Hugo Erfurth (1874 – 1948), o. T. (Selbstbildnis als Musketier), 1898, 21,9 x 16,4 cm, Albuminpapier
Bildnachweis: Technische Sammlungen Dresden. Museen der Stadt Dresden
Gekonnt hatte er sich in Szene gesetzt, der junge Fotograf. Er steht noch ganz am Anfang seiner Karriere, als er sich im historischen Kostüm abbildet. Gut dreieinhalb Jahrzehnte später, 1934, wechselt Hugo Erfurth von Dresden nach Köln. Er nimmt die Porträts bedeutender Zeitgenossen mit, die ihn inzwischen berühmt gemacht haben, und auch sein privates Fotoalbum. Dieses lange vergessene Bildtagebuch ist erst 2009 nach Dresden zurückgekehrt. Die 265 Kartonbögen mit rund 1400 aufgeklebten Abzügen spiegeln kaleidoskopartig das Leben eines prominenten Fotografen. Sie gewähren Einblicke in eine vergangene Zeit, die sich selbst gern in andere hinein fantasierte. Wie etwa in die der galanten Musketiere in den Romanen von Alexandre Dumas. Doch warum zeigt sich Hugo Erfurth im Bild so nachdenklich?