02 Computerspiele – eine neue Kunstkategorie

In den 1990er Jahren entbrannte eine Diskussion, ob Computerspiele Kunst sein können. Wie jede Erneuerungsbewegung stießen sie auf scharfe Kritik und Ablehnung. 2006 erklärte das französische Kultusministerium Computerspiele zum Kulturgut und bescheinigte ihnen eine künstlerische Ausdrucksform. In den USA gelten sie seit 2012 als kreative Werke und können staatliche Zuschüsse erhalten. 2018 stellte Deutschland in Fragen der Kunstfreiheit Computerspiele auf dieselbe Stufe wie andere Kunstwerke.
An der Debatte, ob Computerspiele Kunst sind, haben sich auch Museen als zentraler Ort der Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur beteiligt. 1997 stellte das Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) in Karlsruhe erstmals Computerspiele als Kunstwerke aus. Es legt den Sammlungsschwerpunkt auf Indie Games und Modifikationen kommerzieller Computerspiele. 2012 nahm das New Yorker Museum für Zeitgenössische Kunst (MoMa) 14 Video-Spiele, darunter auch Tetris, als herausragende Beispiele für Interaktionsdesign in die Sammlung auf. Für das Smithsonian American Art Museum in Washington DC hingegen sind die optische Erscheinung, die technische Raffinesse und das Spielerlebnis für die Aufnahme in die Sammlung eines Computerspiels entscheidend.
Aber was macht nun ein Computerspiel zu einem Kunstwerk? Die Ansichten sind vielfältig: So führen einige an, dass Computerspiele künstlerische Elemente von der Musik über die Geschichte bis hin zu graphischen Elementen enthielten und deshalb Kunst sein könnten. Andere argumentieren, dass ein Computerspiel wie eine Oper zu einem Gesamtkunstwerk werden könne. Wiederum andere machen den künstlerischen Wert an den hervorgerufenen Gefühlen und den sozialkritischen Botschaften fest. Nur wenige Spiele könnten wirklich Kunstwerke sein, da die meisten von ihnen die politische und kulturelle Diskussion nicht beeinflusse, geben andere zu bedenken. In der Regel haben es Autoren wegen der Größe des Entwicklerteams schwer, sich künstlerisch durchzusetzen und der Autor sei doch ein wichtiges Kriterium für den Kunststatus. Dann gibt es noch diejenigen, die den Spielen den Kunststatus gänzlich absprechen. Sie führen an, dass bei Schach und Go auch niemand auf die Idee käme, diese Spiele als Kunst anzusehen, warum solle dies dann bei Computerspielen der Fall sein?


Tetris, 1984 – Wenn Mauern verschwinden ...

Entwickler: Alexei Paschitnow
Publisher: Nintendo
Genre: Puzzlespiel
Freigabe: nicht geprüft


Bei Tetris geht es darum, in einem rechteckigen Spielfeld herabfallende Bausteine zusammenzusetzen, so dass sie die Spielfeldreihen komplett füllen. Wenn die Bausteine eine Mauer bilden, verschwindet diese. Sie macht Platz für eine neue Reihe. Beim Fallen kann der Spieler die Bausteine in 90-Grad-Schritten drehen und horizontal verschieben. Das Spiel ist verloren, wenn sich der Bausteinstapel bis zum oberen Spielfeld aufgetürmt hat. Der Schwierigkeitsgrad wird über die Spielgeschwindigkeit Level für Level gesteigert.
Die Idee zu Tetris stammt von dem Programmierer Alexei Paschitnow. Mit seinen Kollegen Vadim Gerasimov und Dmitry Pavlovskyan entwickelte er in seiner Freizeit am Computerzentrum der sowjetischen Akademie der Wissenschaften in Moskau Spiele. Dass Tetris ein Erfolg werden würde, zeichnete sich ab, als die Wissenschaftler selbst nicht mehr aufhören konnten zu spielen. Da es in der Sowjetunion das Recht an geistigem Eigentum nicht gab, hatten die Wissenschaftler keine Möglichkeit, das Spiel selbst zu vermarkten. Deshalb gaben sie Kopien des Spiels einfach so weiter.
Das Spiel verbreitete sich rasant in Moskau, in den Ostblock-Staaten und auch im Westen. An den darauffolgenden Lizenzverhandlungen für den Vertrieb des Spiels waren die Forscher nicht beteiligt. Dies war eine Angelegenheit des sowjetischen Staates und der gab dem japanischen Unternehmensgiganten Nintendo den Zuschlag. Tetris erlangte rasch weltweit einen enormen Bekanntheitsgrad, weil es auf der Spielekonsole Game-Boy vertrieben wurde.


Glossar

Indie Game (engl.): Independent oder Indie Games sind unabhängige Spiele, die jeder ohne finanziellen Aufwand über Vertriebsplattformen im Internet herausgeben kann.
Tetris: Paschitnow orientierte sich am Spiel PENTomino, das er als Kind spielte. Er reduzierte die Komplexität, um es als Videospiel besser spielbar zu machen.
Tetra: Tetris geht auf das altgriechischen Wort tetra (dt. vier) zurück und bezeichnet die Zahl der Quadrate pro Baustein.